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Prozess in Frankfurt Falscher Rocker wegen Bedrohung vor Gericht

Ein falscher Rocker zeigt vor dem Frankfurter Amtsgericht echte Reue. Der Mann hat den Mitarbeiter eines Abschleppunternehmens bedroht.

Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main
Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt am Main Foto: dpa

Dass der 30 Jahre alte Daniel F. mit akkuratem Seitenscheitel, sauber getrimmtem Bart und treuem Dackelblick Mitglied der Hells Angels ist, kann er seiner Großmutter erzählen. Das hat er aber nicht. Dafür aber den Mitarbeitern des Abschleppunternehmens, die sein Auto einkassiert hatten. Er komme gleich vorbei, hatte er denen am 11. November 2017 telefonisch zugesagt, bringe seine Rockerbrüder mit, und dann würden sie alle erschießen, den Laden dem Erdboden gleichmachen und das Auto abholen, genau in dieser Reihenfolge.

Dafür hat Daniel F. wegen Bedrohung einen Strafbefehl über 80 Tagessätze à 15 Euro bekommen, gegen den er Einspruch eingelegt hat. Darum sitzt er nun auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Einen Verteidiger hat er nicht. Dafür hat er in der Nacht zuvor einen Brief geschrieben, den er nun verliest. Er beginnt mit „Sehr geehrter Herr Richter, lieber Staatsanwalt, liebe Geschädigte“ und endet mit „Liebe Grüße Daniel F.“. Was dazwischen steht, ist auch recht rührend.

F. entschuldigt sich für sein „grobes und primatenhaftes Fehlverhalten“. Er habe an jenem Tag seine Freundin, die eine Brandverletzung erlitten hatte, in ein Krankenhaus nach Offenbach gefahren und in der Hektik falsch geparkt. Als er für die Verletzte Naschwerk aus dem Auto habe holen wollen, sei die Kiste schon fort und ein Zettel des Abschleppunternehmens da gewesen. Da sei er im Zorn wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen.

Vater in spe

Mit 13 Jahren sei er von zu Hause ausgerissen, habe 13 Jahre auf der Straße gelebt und in dieser Zeit viel Unsinn angestellt – was sein Führungszeugnis beweist. Aber mittlerweile habe er Halt gefunden, nicht zuletzt durch seine Freundin, die ein Kind von ihm erwarte. Er wolle dem Kind ein guter Vater sein und er wisse: „Ich muss mich verändern, es muss was passieren“. Er habe Strafe verdient, bitte aber um eine mildere. Seinen alten Beruf als Rettungsschwimmer könne er nach mehreren Kreuzbandrissen nicht mehr ausüben, und als Vater in spe brauche er jeden Cent.

Alle können F. ganz gut leiden. Die drei als Zeugen geladenen bedrohten Abschlepper haben sich schon vor der Gerichtstür ein bisschen mit ihm angefreundet. Der Staatsanwalt lobt sein „beachtliches Reflexionsniveau“, und selbst der sonst oftmals mürrische Richter zeigt Milde: 60 Tagessätze à acht Euro machen die Sache deutlich billiger.

Ob er wirklich Kontakt zu den Hells Angels habe, will der Richter zuvor noch wissen. „Um Himmels Willen: nein!“, antwortet Daniel F.

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