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Prozess in Frankfurt Bestechungsversuche im Auftrag der Anlagebetrüger

Die S&K-Betrüger haben einen Privatdetektiv engagiert, der Polizisten bestechen sollte. Dafür erhielt der Schnüffler jetzt ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung.

Römerberg in Frankfurt
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Jean-François P. und Hercule Poirot haben etwas gemeinsam. Beide sind von ihren Fähigkeiten als Privatdetektiv voll überzeugt. Und da wäre noch eine Gemeinsamkeit: „Alle halten mich immer für einen Franzosen; ich weiß auch nicht warum“, klagt Jean-François P.

Nun zu den Unterschieden: Poirot steht im Bücherschrank des Krimifreundes, P. vor dem Amtsgericht. Ihm wird Bestechung vorgeworfen: P. soll 2012 bis 2014 bei seiner Arbeit als Privatdetektiv in Diensten der Anlagebetrüger der S&K-Unternehmensgruppe einen Polizeioberkommissar aus Offenbach bestochen haben. Als Gegenleistung für ein paar Tausend Euro soll dieser nicht bloß immer wieder in den Datenbänken der Polizei geschaut haben, ob diese gegen die Firmen- und Bandenchefs Stephan S. und Jonas K. oder einen ihrer Mittäter ermittele. Zudem habe er auf diese Weise kompromittierendes Material über S&K-Konkurrenten sowie missliebige Journalisten sammeln sollen. Gegen den Offenbacher Polizisten, der auch andere Interessenten mit internen Polizeiinformationen beliefert haben soll, wird gesondert ermittelt.

Jean-François P. trägt im Gericht einen eleganten halblangen Mantel, einen solariumoptimierten Teint und eine Pierre-Brice-Gedächtnisfrisur; er dürfte sich eigentlich nicht beschweren, als Franzose missinterpretiert zu werden. Der 51 Jahre alte, in Paris geborene gelernte Bild- und Tontechniker hatte jahrelang als Controller für eine Großbäckerei in Frankfurt gearbeitet. Die ging 2012 pleite, und da beschloss P., Privatdetektiv zu werden.

Polizist ein alter Freund?

Schwer war das nicht. Er habe die schillernden Anlagebetrüger Stephan S. und Jonas K. über gemeinsame Bekannte kennengelernt. Auch mit S. und K. hat P. Gemeinsamkeiten: Alle drei haben die Haare schön und keine Bargeldallergie. Im Internet habe er irgendwo gelesen, dass gegen Jonas K. wegen einer gekauften Doktorarbeit ermittelt werde und eine Hausdurchsuchung anstehe. Und woanders habe er gelesen, dass die beiden für die Wanzenfreiheitsbescheinigung ihrer just gekauften Protz-Firmenvilla in der Kennedyallee einer Detektei eine Viertelmillion Euro gezahlt hätten. Da sei er halt mal hin, habe K. gewarnt, und so begann die Zusammenarbeit. Monatsgehalt: 1800 Euro. Plus Spesen.

Der Offenbacher Polizist sei ein alter Freund von ihm, man spiele schon seit Jahren zusammen Fußball und gegeneinander Backgammon. Der Polizist habe ihm eher aus Freundschaft denn aus Habgier geholfen und natürlich der Gerechtigkeit halber. Denn von S&K habe man ja immer nur lesen müssen, dass das „böse Buben“ gewesen seien, „aber die wurden ja auch angegriffen, die wurden sogar erpresst, da gab es auch Geldübergaben, da hatte die Staatsanwaltschaft aber keine Zeit dafür“.

Die Staatsanwaltschaft hat aus ihren Fehlern gelernt; für Jean-François P. jedenfalls hat sie am Montag ein paar Stunden Zeit mitgebracht. Viel mehr braucht es auch nicht, denn der voll geständige, wenn auch nicht gerade zerknirschte P. ist nicht vorbestraft und wandelt nach eigenen Angaben längst wieder auf dem Pfad der Tugend. Am Ende wird P. wegen Bestechung einer Amtsperson zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss zudem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

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