Lade Inhalte...

Prozess in Frankfurt 91-jährige Großmutter schwer misshandelt

1. UpdateEin junger Mann soll seine 91 Jahre alte Großmutter im Drogenrausch schwer misshandelt haben. Das Landgericht Frankfurt setzt den Prozess gegen ihn vorerst aus. Der 23-Jährige soll psychiatrisch untersucht werden.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Wie so oft bei Gericht geht es auch hier um die alles entscheidende Frage: Warum?

Dabei ist nicht die Frage, warum der 23 Jahre alte Alexander G. im Juni dieses Jahres seine 91 Jahre alte Großmutter Gertrude G. in deren Wohnung auf einen Küchenstuhl zwang, sie mit Schlägen auf den Kopf traktierte und ihr mit dem Küchenmesser so rabiat die Haare abschnitt, dass sie aus mehreren Schnittwunden am Kopf blutete. Die Frage ist geklärt: Der junge Mann hatte bei seiner Oma übernachtet, war aber ob der Tatsache, dass er das letzte mal vor drei Tagen Amphetamine zu sich genommen hatte, etwas „verärgert“ und wollte die Oma dafür „bestrafen“.

Es ist auch nicht die Frage, warum der noch am selben Abend festgenommene G. bei seiner Festnahme die beiden Polizeibeamten trat und den Diensthund, den die beiden auf ihn hetzten, würgte. Er war schon wieder verärgert, diesmal wohl über die Gesamtsituation, und hatte außerdem kurz zuvor mit einem Kumpel in der Obdachlosenunterkunft im Ostpark eine Nase Kokain gezogen.

Es ist auch nicht die Frage, warum Alexander G. dafür im September zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt worden war – vermutlich hatte das Amtsgericht seinen milden Tag.

Die alles entscheidende Frage ist: Warum hat G. gegen dieses vergleichsweise freundliche Urteil Berufung eingelegt, so dass sich jetzt auch noch das Landgericht mit dem Fall befassen muss? Weil er es kann? Weil es nichts kostet, zumindest nicht ihn? Weil man es ja mal versuchen kann?

Hochaggressives Nervenwrack

Der Angeklagte wird aus dem Gefängnis in Dieburg vorgeführt, wo er derzeit eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt. Nach eigenen Angaben hat er sich seit seinem Abitur ausschließlich der Erprobung bewusstseinsverändernder Drogen gewidmet, das allerdings mit beängstigendem Erfolg. Auf der Anklagebank vermittelt er den Eindruck eines hochaggressiven Nervenwracks. Er schneidet Grimassen, zappelt herum, sein Blick wandert ständig ruhelos umher und bleibt nirgends hängen. Manchmal sagt er gar nichts, dann quasselt er plötzlich wie ein Maschinengewehr, er steht ständig kurz vor dem Ausrasten, was seine Verteidigerin mit beruhigendem Zureden aber immer wieder verhindern kann. Doch nach etwa einer halben Stunde ist der Kammer klar: Es bestehen starke Zweifel an G.s grundsätzlicher Schuldfähigkeit. Die muss erst einmal ein psychiatrischer Sachverständiger klären. Bis dahin wird der Prozess ausgesetzt.

Gertrude G., die sich als Zeugin zum Gericht geschleppt hat, wird nicht mehr gehört. Sie scheint nicht zu verstehen, warum. „Muss er noch dableiben?“, fragt sie bezüglich ihres Enkels. Muss er. „Oma, hast du mal ’ne Zigarette über?“, fragt Alexander G. Hat sie. Aber Justizbeamte verhindern deren Übergabe. Falls das der Grund für die Berufung gewesen sein sollte: hat nicht geklappt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen