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Prozess in Darmstadt Angeklagter beschuldigt Ehefrau

Überraschende Entwicklung im Darmstädter Prozess: Die Gattin eines Mannes aus Breuberg soll die Nebenbuhlerin getötet haben.

Symbolfoto Gericht
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Die Vorwürfe wiegen schwer: Im Prozess gegen einen 52 Jahre alten Mann wegen des Verdachts des Totschlags hat der Angeklagte am Mittwoch überraschend seine Ehefrau beschuldigt, seine Geliebte aus Frankfurt getötet zu haben. Die zum Teil verweste Leiche der 47-jährigen Frankfurterin war im September vorigen Jahres in einem Wald bei Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg gefunden worden.

Die Darmstädter Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten, der zuletzt in Breuberg im Odenwald wohnte und dem seit Anfang Juni der Prozess gemacht wird, vor, die Frankfurterin im August 2017 vor ihrer Wohnung im Frankfurter Stadtteil Bockenheim abgefangen und sie zur Einnahme eines Medikaments veranlasst haben, so dass die Frau nicht mehr in der Lage gewesen sei, Widerstand zu leisten. Zudem soll der Angeklagte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft an der Frau sexuelle Handlungen vorgenommen und sie dann getötet haben. Ihre Leiche soll er dann in einem Vogelschutzgebiet bei Münster abgelegt haben.

Entgegen dem Rat seiner beiden Verteidiger hat der Angeklagte inzwischen eine 16-seitige Einlassung verfasst und dem Gericht zugesandt. Die deutsche Übersetzung der in türkischer Sprache verfassten Einlassung wurde am Mittwoch verlesen.

„Ziellos“ durch das Rhein-Main-Gebiet

Demnach will der Angeklagte seine Geliebte am 20. August vorigen Jahres in Frankfurter Gallusviertel abgeholt und mit ihr „ziellos“ durch das Rhein-Main-Gebiet und dann auf der Autobahn 3 in Richtung Würzburg gefahren sein. Nach Stopps auf Parkplätzen im Spessart und in der Nähe von Groß-Umstadt sei er schließlich mit der 47-Jährigen, von der er sich eine Woche zuvor getrennt habe, am Abend nach Breuberg gefahren, um zu Hause Akten und Geschenke zu holen. Sein Auto, in dem die Frankfurterin auf ihn habe warten wollen, habe er auf dem Parkplatz nahe dem Pirelli-Werk abgestellt.

Als er die Wohnung betreten habe, soll seine Gattin, die offenbar von der Beziehung zu der anderen Frau wusste, ihn zur Rede gestellt haben, so die Darstellung des Angeklagten. Sie habe die Frankfurterin als „Hure“ bezeichnet und die Absicht geäußert, mit ihrer Nebenbuhlerin ein Gespräch „von Frau zu Frau“ führen zu wollen. Mit einer Tasse Kaffee habe die Frau die Wohnung verlassen. Als sie nach einiger Zeit nicht zurückgekehrt sei, habe er sich ebenfalls zu dem Parkplatz begeben und gesehen, wie seine Geliebte regungslos auf dem Beifahrersitz gesessen habe. Seine Frau habe Gummihandschuhe getragen und mit einem schwarzen Schal der Frankfurterin zugewedelt, die jedoch nicht mehr geatmet habe. Auch einen Herzschlag will der Mann nicht mehr gespürt haben.

Leiche soll nach Münster gefahren worden sein

Auf Nachfrage von Staatsanwalt Nico Kalb sagte der Angeklagte, er wisse nicht, ob seine Frau die 47-Jährige stranguliert habe. Sie soll der Frankfurterin eine von seinen Clozapin-Tabletten – der Arzneistoff wird zur Behandlung von Psychosen eingesetzt – mit dem Kaffee verabreicht haben.

Anschließend will der Mann mit seiner Gattin die Leiche in den Wald nach Münster gefahren haben, wo seine Frau den leblosen Körper aus dem Auto gezogen und weitere Gegenstände in einem Plastikbeutel im Wald entsorgt habe. Er selbst sei auf Drängen seiner Frau nach Frankreich geflüchtet, wo er in Colmar festgenommen wurde.

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