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Prozess in Darmstadt 19-Jähriger gesteht Beilattacke auf Vater

Ein junger Mann greift seinen schlafenden Vater in Ober-Ramstadt mit einem Wurfbeil an. Ihm droht eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Ein 19-jähriger Mann hat eingeräumt, im August vorigen Jahres in der elterlichen Wohnung in Ober-Ramstadt seinen Vater mit einem Wurfbeil attackiert und ihn dabei verletzt zu haben. Der Prozess gegen den früheren IT-Assistenten-Azubi hat am Dienstag vor der zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat den 19-Jährigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Zum Zeitpunkt der Tat soll er an einer schizophrenen Erkrankung gelitten haben.

Die Anklagebehörde wirft dem Heranwachsenden vor, am Abend des 20. August 2017 den Entschluss gefasst zu haben, seine Eltern umzubringen. Hierzu soll er aus der Werkstatt seines Vaters ein dort aufbewahrtes Wurfbeil geholt und sich gegen 23.20 Uhr über den Flur zum Schlafzimmer der Eltern geschlichen haben, die sich dort bereits zum Schlafen hingelegt hatten. Im Schlafzimmer soll er dann im Dunkeln vier- bis fünfmal auf den Körper des schlafenden Vaters eingeschlagen haben, um ihn zu töten.

Nachdem der Vater aufgewacht sei, soll er „Hör auf damit“ gerufen haben, wodurch auch die Mutter geweckt wurde und das Licht angeschaltet habe. Daraufhin soll der Beschuldigte von weiteren Hieben abgelassen haben.

Der Vater erlitt nach Angaben einer Rechtsmedizinerin des Frankfurter Universitätsklinikums Schnitt- und Hiebverletzungen an den Beinen sowie eine Fraktur am Wadenbein und der Hand. Während der Tat soll der Beschuldigte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft unter dem Einfluss einer schizophrenen Erkrankung gestanden haben und daher nicht in der Lage gewesen sein, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Die Strafkammer soll daher auch prüfen, ob die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus geboten ist.
Der Vorsitzende Richter Marc Euler sprach zum Prozessauftakt von einer „Familientragödie“. Der geschädigte Vater und die Mutter machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Jürgen Rath, der Verteidiger des 19-Jährigen, äußerte, an jenem Abend habe es keinen versuchten Mord und keine das Leben bedrohende Handlung, sondern eine Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug gegeben.

Mitarbeiter einer Klinik in Groß-Umstadt und Kriminalbeamte schilderten, der Angeklagte habe in Gesprächen sehr still, ruhig, teilnahms-, emotions- und regungslos gewirkt. In einem Gespräch soll er gesagt haben, nach dem Suizid seines Bruders habe er das Verhalten seiner Mutter als „erdrückend“ empfunden.

In einem Gespräch soll der Mann gegenüber Klinikmitarbeitern auch von Todessehnsüchten sowie von früheren anhaltenden Kopfschmerzen berichtet haben. Die Eltern zu töten, sei zudem ein schon seit längerem gehegter Plan des Mannes gewesen.

Die Frankfurter Rechtsmedizinerin Sarah Kölzer äußerte, auf den geschädigten Vater sei mit „halbscharfer Gewalt“ und „erheblicher Krafteinwirkung“ eingeschlagen worden. Der Mann habe zwar durch die Beilhiebe keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten, diese seien gleichwohl „potenziell lebensgefährlich“ gewesen, sagte Kölzer.

Der Prozess wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.

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