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Prozess gegen Said M. „Eine Katastrophe“ - Vermieter unbekannt verzogen

Mieter berichten von Wasserschäden und Schimmel. Die Mietshäuser der mutmaßlichen Steuerbetrüger verkommen im Eiltempo.

Immobilienmarkt in Rhein-Main
Briefe werden zurückgeschickt, Wasserschäden nicht repariert. Die Vorwürfe gegen Said M. und seine Partner sind heftig. (Symbolbild) Foto: dpa

Die hätten doch wissen müssen, an wen sie verkaufen“, beschwert sich im Mai 2017 in einem Artikel des „Wiesbadener Kuriers“ der Mieter einer Wohnung eines Hauses, das im Mai 2015 von der Wohnbaugesellschaft Hessen an ein Unternehmen der Männer verkauft worden war, die sich nun wegen Steuerhinterziehung vor dem Frankfurter Landgericht verantworten müssen. Zu diesem Zeitpunkt sitzen die Firmenchefs noch in U-Haft, und in dem Wiesbadener Hochhaus sprießt der Schimmel, der Müllschlucker klemmt, das Reinigungsunternehmen hat mangels Bezahlung die Arbeit eingestellt, der Hausmeister arbeitet unentgeltlich. Die Vermieter sind unerreichbar – niemand geht ans Telefon, Briefe werden zurückgeschickt.

Mittlerweile sind zwei der fünf Angeklagten wieder auf freiem Fuß, darunter der nominelle Chef des Firmengeflechts, Said M., aber an den Zuständen in den vielen Mietshäusern, die die Angeklagten im Rhein-Main-Gebiet zusammengekauft haben, hat sich nichts geändert.

Offenbacher Mieter kritisieren Eigentümer

In der Offenbacher Innenstadt beklagt sich ein Mieter, die Eigentümergesellschaft habe sich schon vor der Verhaftung ihrer Chefs wenig um die Instandhaltung geschert. Aber nun eskaliere die Lage: Der Aufzug in dem Haus, in dem sich auch eine Arztpraxis befindet, sei seit Wochen kaputt, das Haus verwahrlose im Eiltempo, neulich habe die Stadt kurzfristig den Strom abgeklemmt, weil die Nebenkosten zwar an die Vermieter überwiesen, aber nicht weitergeleitet worden seien.

Die Hausverwaltung unter Said M. sei seit der Übernahme „eine Katastrophe“ gewesen, klagt auch ein Mieter eines Wohnkomplexes in Ginnheim, der wie auch die anderen Mieter seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Seit 40 Jahren wohne er dort, aber so etwas wie in den vergangenen zwei Jahren habe er noch nicht erlebt. Unlängst sei die Heizung ausgefallen – kein Öl, Brenner kaputt – und in Eigenregie wieder zum Laufen gebracht worden, weil der Hausmeister sich weigere, ehrenamtlich zu arbeiten. In der Nachbarwohnung hat sich ein Wasserschaden breitgemacht, den zu beheben sich niemand bemüßigt fühlt. Im Hof des Wohnkomplexes verrotten in einem Container Gartenabfälle vom vergangenen Sommer – das sei das letzte Mal gewesen, sagt der Mieter, dass irgendwelche Arbeiten dort getätigt worden seien. Die damit betraute Firma habe vermutlich aus Protest gegen ausbleibende Bezahlung die Arbeit abgebrochen und den Container vergessen. Die Vermieter seien – wie immer – nicht zu erreichen.

Neuer Hausmeister gibt Mietern Hoffnung

Doch es keimt neue Hoffnung. Mitte Dezember, erzählt der Mieter, seien ein paar Unbekannte gekommen, hätten die Häuser inspiziert und sich den Mietern, die sie nach ihrem Begehr gefragt hätten, als die neuen Eigentümer vorgestellt, ohne aber weiter ins Detail zu gehen. Seit wenigen Tagen hänge im Hausflur auch ein Zettel, der einen neuen Ansprechpartner für Hausmeisterangelegenheiten annonciere. Wer auch immer der neue Eigentümer sein möge – er könne es nicht schlechter machen als sein Vorgänger.

Ob der Wohnkomplex tatsächlich einen neuen Eigentümer hat, ist allerdings nicht amtlich. Im Grundbuch wird noch der alte Eigentümer geführt: eines der vielen Unternehmen, das zum Firmengeflecht Said M.s und seiner Mitangeklagten gehört.

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