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Prozess Anklage wegen versuchten Mordes

Ein 21-Jähriger soll Feuer in einem Haus gelegt haben, um seine bisherige Lebensgefährtin, ihren Bruder und sich selbst zu töten.

Landgericht Darmstadt
Das Landgericht in Darmstadt. Foto: imago

Wegen des Verdachts des versuchten Mordes wird einem 21-jährigen Mann seit Donnerstag vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 18. Januar vergangenen Jahres nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Brand in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Marienstraße in der Nähe des Langener Bahnhofs gelegt zu haben. Der Angeklagte wohnte zur Tatzeit gemeinsam mit seiner drei Jahre älteren Lebensgefährtin und deren 14-jährigen Bruder in der Wohnung des Hauses. Die Besitzerin des Hinterhofgebäudes sagte gestern vor Gericht aus, sie sei davon ausgegangen, dass die Wohnung nicht bewohnt werde.

Laut der Anklageschrift, die zum Auftakt des Prozesses von Staatsanwältin Karin Ophaus vorgelesen wurde, kam es zu dem Streit zwischen dem Paar, nachdem die Frau dem Angeklagten mitgeteilt hatte, dass sie sich von ihm trennen werde und er daher aus der Wohnung ausziehen müsse.

Die Frau habe dem Mann auch vorgeworfen, nichts dazu beizusteuern, um etwa Lebensmittel zu kaufen. Der jüngere Bruder der Frau soll sich während des Streits auf die Seite seiner Schwester gestellt haben. Die Nacht soll der Angeklagte allerdings noch in der gemeinsamen Wohnung verbracht haben. Am nächsten Morgen, so die Vorhaltung der Staatsanwältin, soll der Mann dann den Entschluss gefasst haben, seine bisherige Freundin, ihren Bruder und sich selbst zu töten.

Dem 21-Jährigen wirft die Anklagebehörde vor, im Erdgeschoss des Hauses „aus Wut, Enttäuschung und Eifersucht“, ein Feuer entzündet zu haben, während die Frau und ihr Bruder noch schliefen. Das Feuer breitete sich nach Angaben eines Experten des Landeskriminalamts nach und nach vom Erdgeschoss bis in das obere Stockwerk aus und entwickelte einen starken Rauch. Dadurch verloren der Angeklagte und die beiden Geschädigten das Bewusstsein. Die von einer Nachbarin alarmierte Feuerwehr konnte das Feuer löschen. Die Frau erlitt Verbrennungen zweiten bis dritten Grades. Etwa 15 Prozent ihrer Haut seien durch das Feuer verbrannt, berichtete Staatsanwältin Ophaus. Ihr Bruder erlitt neben Verbrennungen zweiten Grades eine Kohlenmonoxidvergiftung, die zu einem dauerhaften Hirnschaden führte. Der Jugendliche ist nun geistig schwer behindert und sitzt im Rollstuhl.

Nach Verlesung der Anklageschrift erklärte die Anwältin des Angeklagten, dass ihr Mandant zunächst schweigen werde. Die Hausbesitzerin sagte aus, an dem Gebäude sei ein Schaden von etwa 100 000 Euro entstanden, für den ihre Versicherung bisher aber nicht aufgekommen sei.

Der zuständige Einsatzleiter der Feuerwehr berichtete der 2. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Marc Euler, beim Eintreffen der Feuerwehr seien schon die Flammen aus dem ersten Obergeschoss gelodert. Den Feuerwehrleuten ist es offenbar zu verdanken, dass der Angeklagte, die Frau und ihr Bruder überlebten. Alle drei wurden bewusstlos gefunden und mit Hilfe einer Drehleiter geborgen. Brandexperte Volker Faust äußerte, er gehe von Brandstiftung aus. Spuren eines Brandbeschleunigers seien aber keine gefunden worden.

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstermine bis zum 4. Juli geplant.

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