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Pegida in Frankfurt Anti-Pegida-Mann steht vor Gericht

Ein 30 Jahre alter Mann soll bei einer Anti-Pegida-Demonstration in Frankfurt ein Ei auf Pegida-Demonstranten geworfen haben. Der Prozess gegen ihn muss verschoben werden. Seine Verteidigerin vermutet eine Absprache unter Polizisten.

Beim Protest gegen Pegida flogen auch schon einmal Eier. Foto: Andreas Arnold

Martin F., 30 Jahre alt, von Beruf Altenpfleger, wird beschuldigt, am 9. März 2015 um 18.50 Uhr an der Hauptwache als Teilnehmer einer Anti-Pegida-Demonstration ein Ei in Richtung Pegida-Demonstration geworfen zu haben. Das Ei zerschellte mutmaßlich am Boden, ohne dort nennenswerte Schäden zu hinterlassen. Einen Strafbefehl wollte Martin F. nicht akzeptieren, weshalb er sich nun wegen versuchter Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten muss.

Martin F. sagt gar nichts. Seine Anwältin bestreitet die Vorwürfe.

Im Zeugenstand erinnert sich der Polizist Marcel J., 24: „Gegen 18.50 Uhr wurde gemeldet, dass es zu Eiwürfen in Richtung Pegida kam.“ In einer „schwarz gekleideten Personengruppe“ sichtet J. einen Eierwerfer auf frischem Wurf. J. richtet seinen Blick auf den Eierwerfer, verliert dabei aber das Ei aus den Augen. „Das Ei flog in hohem Bogen über uns hinweg. Wo das Ei aufgekommen ist, kann ich nicht sagen.“ Aber er erkenne Martin F. eindeutig als Eierwerfer wieder, was auch daran liegen mag, dass sich nur wenige Menschen die vier Skat-Farben auf ihre Finger haben tätowieren lassen.

Der Richter will wissen, ob und, wenn ja, wie oft Menschen bei Demonstrationen durch rohe Eier verletzt würden. Darüber lägen ihm „keine Erkenntnisse vor“, sagt Marcel J. Wie weit das Ei wohl geflogen sei, will der Richter wissen. „Ich bin Handballer. Ich kann das gut schätzen. 20 bis 30 Meter“, sagt der Polizist. Und wie schnell? „80 km/h“, schätzt Marcel J.

„Wenn Sie als Handballer einen Handball so werfen würden wie der Angeklagte dieses Ei – wie schnell würde der dann werden?“, fragt der Staatsanwalt. „100 km/h“, schätzt der handballende Polizist, „aber nur mit Anlauf und Harz“.

Er spiele zwar kein Handball, sagt der Staatsanwalt, aber er interessiere sich für Physik und habe mal nachgerechnet: Wenn man ein Ei der Gewichtsklasse M – also zwischen 53 und 63 Gramm – aus zehn Metern Höhe hinfallen lasse, dann betrage die Aufprallgeschwindigkeit etwa 50 km/h, was in etwa einer kinetischen Energie von 5,88 Joule entspreche oder so ähnlich. „Das gibt ein Hämatom!“, schlussfolgert der Staatsanwalt.

Anwältin wittert Absprache

Nicht, wenn es sich bei dem geworfenen „um ein weichgekochtes und gepelltes Ei“ handele, wie es bei ihrem Mandanten der Fall gewesen wäre, wenn er ein Ei geworfen hätte, was er aber nicht habe, gibt die Anwältin zu bedenken. Sie hat zudem noch eine Frage an den Zeugen. „Welche Farbe hatte das Ei?“ Der Polizist weiß es nicht. Die Anwältin findet das verdächtig.

Sie findet noch etwas anderes verdächtig. Sowohl in dem schriftlichen Bericht von Marcel J. als auch in dem seines Kollegen H. heiße es über ihren Mandanten wortwörtlich, dieser habe eine „Kapuze über den Kopf gezogen“. In beiden Berichten! Wortwörtlich! „Wie soll man das denn sonst formulieren?“, fragt der Richter. Das wisse sie auch nicht, sagt die Anwältin, aber sie halte es für extrem unwahrscheinlich, dass zwei Menschen unabhängig voneinander die Formulierung „Kapuze über den Kopf gezogen“ verwendeten. Das rieche nach Absprache. „Tut mir leid, aber ich kann auf den Zeugen H. nicht verzichten“, sagt die Anwältin.

Dem Richter tut’s auch leid, denn Herr H. ist in dieser Woche im Urlaub, aber es hilft nichts: Ein Fortsetzungstermin wird anberaumt. Nun soll die Geschichte des Eies passenderweise am Gründonnerstag abgeschlossen werden und so manche Frage ihre Antwort finden. Wie etwa diese, die die Anwältin zum Abschluss des ersten Verhandlungstages in den Raum stellt: „Ob ein rohes Ei für eine Körperverletzung geeignet ist – das ist die große Frage.“ „Ich bin kein Hühnerei-Experte“, weicht der Richter achselzuckend der Antwort aus.

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