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Niddatal Bruder und Vater getötet - Lebenslange Haft nach Familientragödie

Nach dem gewaltsamen Tod von Bruder und Vater verurteilt das Landgericht Gießen einen 61-Jährigen wegen Mordes, Totschlags und Brandstiftung.

29.06.2017 18:45
Brand in Niddatal
Das Elternhaus des Angeklagten im Wetteraukreis. Foto: Rolf Oeser

Erst tötete er seinen Bruder, dann den Vater: Nach einer Familientragödie in Niddatal ist ein 61-Jähriger zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Gießen sprach den Mann am Donnerstag des Mordes, Totschlags und der Brandstiftung schuldig. Der Angeklagte hat nach Überzeugung des Gerichts im April 2016 in der Stadt im Wetteraukreis zunächst seinen 58-jährigen Bruder umgebracht. Um die Spuren der Tat in seinem Elternhaus zu verwischen, zündete er dieses an. Der 61-Jährige nahm laut der Vorsitzenden Richterin dabei «zumindest billigend in Kauf», dass der bettlägerige 89 Jahre alte Vater bei dem Feuer stirbt.

Hintergrund sollen familiäre Streitigkeiten insbesondere mit dem Bruder gewesen sein. «Man kann das hier nicht schwarz-weiß sehen», betonte die Vorsitzende. Es sei nicht so gewesen, dass der eine Bruder nur böse und der andere nur gut gewesen sei. Zudem würden sich Spuren an der Leiche des Bruders nicht mit den Aussagen des 61-Jährigen decken.

Bruder aus Notwehr getötet

Gestützt auf Angaben des Angeklagten hatte die Verteidigung einen anderen Geschehensablauf angenommen. Der 61-Jährige habe aus Notwehr den Bruder getötet. Dieser habe ihn bei einem Streit massiv angegriffen, so dass der Angeklagte ein Messer gezogen und zugestochen habe. Der getötete Bruder wohnte im Elternhaus. Der Angeklagte war nach Angaben der Verteidigung dorthin gekommen, um sich von seinem sterbenden Vater zu verabschieden.

Das Gericht sah keine Notwehrsituation und ging von Totschlag aus. Um die Tat zu verdecken, habe der 61-Jährige nicht nur die Leiche zerteilt, sondern auch das Haus in Brand gesteckt. Dass der Angeklagte seinen Vater in dem Moment angeblich bereits für tot hielt, ließen die Richter nicht gelten. Er habe nicht davon ausgehen dürfen, auch weil er das nicht ausreichend überprüft habe. Daher werteten die Richter dieses Vorgehen als Mord.

Mit seinem Urteil schloss sich das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung hatte im Fall des Vaters nur eine fahrlässige Tötung durch den Brand gesehen und eine Bewährungsstrafe gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (dpa)

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