Lade Inhalte...

Mordfall Adem Bozkurt Tochter von Mordopfer kritisiert Ermittlungsarbeit

Nach über 20 Jahren ist klar: Adem Bozkurt wurde nicht Opfer eines Unfalls, sondern eines Mordes. Seine Tochter kritisiert die damalige Unfallaufnahme, bei der ein Einschussloch an der Leiche ihres Vaters nicht bemerkt wurde.

Unfall in der Wetterau erweist sich als Mord
Dieses Bild zeigte sich der Friedberger Polizei als sie im April 1997 zu der Unfallstelle bei Ober-Mörlen gerufen wurde. Foto: Polizeipräsidium Mittelhessen

„Es beschäftigt mich jeden Tag“, sagt Tugba Bozkurt. Die Trauer sei mehr als 21 Jahre nach dem Tod ihres Vater immer noch stark. Sie habe ein enges Verhältnis zu ihm gehabt, erzählt die Bad Nauheimerin. „Er war der kultivierteste und intelligenteste Mensch, den ich gekannt habe.“ Die 36-Jährige beschreibt ihren Vater, der die türkische Staatsangehörigkeit hatte, als einen hilfsbereiten Menschen, bestens integriert in die Gesellschaft der  Kurstadt. Er habe den türkischen Fußballverein geführt und jahrelang ein Restaurant in der Stadt gehabt. 

Wenn sie von ihm erzählt, merkt man, dass Bewunderung in der Stimme mitschwingt. Ihr Profilbild auf Facebook zeigt sie als Jugendliche, lachend, den Arm um den Vater gelegt. Es entstand einen Monat, bevor Adem Bozkurt am frühen Morgen des 8. April 1997 auf einer Wiese an der Wintersteinstraße in Ober-Mörlen ums Leben kam, in seinem schwarzen 5er BMW. Bis Ende 2014 gingen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass er auf dem Weg zur Arbeit verunglückt sei. Dann meldete sich ein Zeuge und setzte mit dem vagen Hinweis, dass Bozkurt ermordet worden sein könnte, umfangreiche Ermittlungen in Gang. Die behördlichen Nachforschungen veränderten alles. 

Am Donnerstag nun gaben die Behörden bekannt, dass Adem Bozkut nicht durch einen Autounfall starb, sondern Opfer eines Verbrechens wurde. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass der 45 Jahre alte Bozkurt mit einem Genickschuss umgebracht wurde. Dafür wurde der in der Türkei beigesetzte Leichnam des Verstorbenen exhumiert. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus; das Motiv könnten Streitigkeiten um das Geschäft mit Toilettenanlagen an Autobahnraststätten gewesen sein. Bozkurt hatte seiner Tochter zufolge etwa ein Jahr vor seinem Tod ein Unternehmen gegründet, das sich um die Reinigung der Anlagen an mehreren Raststätten im Rhein-Main-Gebiet gekümmert habe. 

Die Umstände hätten auf einen Unfall hingedeutet, stellten die Ermittler am Donnerstag klar. Deshalb sei auf eine rechtsmedizinische Untersuchung verzichtet worden. Staatsanwalt Hauburger nimmt an, dass der Täter eine kleinkalibrige Waffe verwendet habe. Hinzu komme der starke Haarwuchs des Opfers an der Einschussstelle. Man könne dem Notarzt und dem Mediziner bei der späteren Leichenschau keinen Vorwurf machen, so Hauburger. Schon kurze Zeit, nachdem Staatsanwaltschaft und Polizei den Fall vor zwei Tagen bekannt gemacht hatten, konnte man in den sozialen Netzwerken lesen, dass diese Begründung längst nicht jedem einleuchtet. 

Auch Tochter Tugba Bozkurt nicht. „Ich bin sauer“, sagt die Bad Nauheimerin. „Das waren Fachleute, und keiner von ihnen hat es bemerkt.“ Im Übrigen habe es noch weitere Spuren am Tatort gegeben, die die Polizei hätten stutzig machen müssen. Was sie damit meint, könne sie zurzeit noch nicht sagen, so die 36-Jährige. Dass der Fall nun in den Zeitungen ist, findet sie gut. „Ich wünsche mir, dass die Medien dranbleiben.“ Auf ihre Facebook-Seite hat sie einige Berichte zu dem mysteriösen Fall gestellt. Irgendwo liefen der oder die Täter frei herum, das könne sie nicht akzeptieren. Tagtäglich geselle sich zu der Trauer Wut.

Sie werde ihren Vater in guter Erinnerung behalten. Sie habe ihn noch ganz zuletzt gesehen, erzählt Bozkurt. Ziemlich genau könne sie sich an den Vorabend der Tat erinnern, eine Freundin sei bei ihr zu Besuch gewesen. „Er hatte gute Laune, das weiß ich noch, wir haben gelacht.“ Sie hoffe, dass die Schilderung des Falls in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ am kommenden Mittwoch zu neuen Erkenntnissen führen werde. Seit die Behörden an die Öffentlichkeit gegangen sind, hat es schon ein paar Hinweise gegeben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen