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Missbrauchs-Prozess in Frankfurt Im Live-Chat mit Kindern die Hose runtergezogen

Ein junger Mann zieht sich im Chat mit U12-Fußballern aus. Deswegen muss er sich vor dem Frankfurter Amtsgericht verantworten. Was er getan hat, kann er vermutlich selbst kaum begreifen.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Matteo steht vor der Jugendrichterin am Amtsgericht, weil er „sexuelle Handlungen vor Kindern“ getätigt hat. Im Klartext: Im November 2017 hatte der damals 18-Jährige, der eigentlich ganz anders heißt, unter diesem Namen auf dem Messenger-Dienst Instagram gezielt den Kontakt zu jungen Fußballspielern (U12 und U13) gesucht und sich selbst als Zwölfjährigen ausgegeben. Dann aber ließ Matteo in einem Live-Chat im wahren Sinne des Wortes die Hosen runter. Was dann folgte, würde man auf dem Platz wohl als Handspiel bezeichnen. Die Eltern der angechatteten Kinder informierten die Polizei. Die tat sich nicht schwer, Matteo zu finden.

Der junge Mann war zumindest bei dem Fußballverein des Stadtteils, in dem Matteo immer noch in der elterlichen Wohnung wohnt, kein Unbekannter. Er war dort, so formuliert es die Jugendgerichtshilfe, „Mädchen für alles“, trat auch immer wieder als Schiedsrichter auf. Es waren wohl die einzigen sozialen Kontakte, die der junge Mann hatte. Die Jugendgerichtshilfe beschreibt ihn als Einzelgänger, einen jungen Mann ohne Freunde, einen, der wegen seines Sprachfehlers und seines Stotterns in der Hauptschule massiv gemobbt worden sei.

Angeklagter kommt aus einer streng religiösen Familie

Er sei ungefähr zwölf Jahre alt gewesen, als er entdeckt habe, dass er schwul sei, sagt Matteo, der die Anklage ohne Wenn und Aber einräumt. Damals habe er sich zu Gleichaltrigen hingezogen gefühlt. Dann sei er älter geworden. Die Objekte seiner Begierde aber seien nicht mit ihm gealtert. In der Familie fand er keine Unterstützung: Matteo ist hier geboren, die Eltern aber kommen aus Afghanistan, zumindest die Mutter und sein jüngerer Bruder seien streng religiös, und ein Coming-Out wäre wohl auf wenig Gegenliebe gestoßen. Von der sexuellen Orientierung ihres Sohnes erfuhren die Eltern erst, als die Polizei zwecks Durchsuchung an der Tür klingelte. 
Der nicht vorbestrafte junge Mann hat vermutlich nie Hand an andere gelegt. Auch bei seinen Chat-Bekanntschaften habe er persönliche Treffen, die er durchaus selbst vorgeschlagen hatte, aus eigenem Antrieb wieder abgesagt. Auch wenn nur ein Fall angeklagt ist, gesteht Matteo, öfters im Live-Stream die Hosen runtergelassen zu haben. Wie viele Kinder dabei zugeguckt hätten, will die Richterin wissen. „Im Durchschnitt zwei“, sagt Matteo.

Am Ende wird Matteo verwarnt. Er muss ein halbes Jahr lang das Männerzentrum aufsuchen und dort reden, eine Therapie machen und 800 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Die Jugendgerichtshilfe hatte trotz der Volljährigkeit Matteos starke Argumente für die Anwendung von Jugendstrafrecht. Matteos „Eigenwahrnehmung entspricht immer noch der eines Kindes“, das vermutlich „die Problematik nicht ganz begreifen kann“. Er fühle sich „isoliert und verlassen“.

Sein Fußballverein hat ihn nach dem Bekanntwerden der Vorfälle rausgeschmissen. 

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