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„Lasermann“-Prozess Lebenslange Haftstrafe nach Mord an Garderobenfrau

Nach dem Mord an einer Garderobenfrau vor fast 26 Jahren verurteilt das Frankfurter Landgericht John Ausonius zu lebenslanger Haft.

Urteil im "Lasermann" -Prozess
John Ausonius wurde zuvor bereits in Schweden wegen eines Mordes verurteilt. Foto: dpa

Als die Vorsitzende Richterin das Urteil verkündet, zeigt das Gesicht des Angeklagten zum ersten Mal in den zwei Monaten, die seit Prozessbeginn vergangen sind, so etwas wie Lebendigkeit.

John Ausonius’ Blick geht zur Decke, die Augen unter den markanten Brauen, die seinem Gesicht einen permanent finsteren Ausdruck verleihen, verdrehen sich. Es sieht aus, als ob er innerlich zählt. Oder als ob er nicht glauben möchte, was er eben vernommen hat.

Lebenslängliche Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung lautet das Urteil, das die Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts am Mittwochnachmittag gefällt hat. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass John Ausonius – der breiten Öffentlichkeit besser bekannt unter seinem Spitznamen „Lasermann“ – am 23. Februar 1992 die damals 68-jährige Frankfurterin Blanka Zmigrod ermordet hat. 

„Das Gericht hat nicht die geringsten Zweifel“, hält die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock in der Urteilsverkündung fest. Eine „lückenlose Indizienkette“ habe das Gericht davon überzeugt, dass Ausonius für die Tat verantwortlich sei. 

Das Gericht folgte in weiten Teilen der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Demnach sei davon auszugehen, dass Ausonius Blanka Zmigrod von ihrem Arbeitsplatz im Restaurant „Mövenpick“ am Opernplatz mit einem Fahrrad bis in den Kettenhofweg gefolgt sei, wo er ihr unvermittelt in den Kopf geschossen und anschließend ihre Handtasche geraubt habe. Anlass für die Tat soll ein Streit zwischen Ausonius und Zmigrod, die im „Mövenpick“ als Garderobenfrau arbeitete, um einen Taschencomputer gewesen sein. Ausonius hatte Zmigrod beschuldigt, diesen gestohlen zu haben. 

Der Computer soll nach Auffassung des Gerichts für Ausonius von besonderer Wichtigkeit gewesen sein, unter anderem weil darauf Daten von Konten gespeichert gewesen sein sollen, auf denen Ausonius Geld deponiert hatte, das er bei 18 Banküberfällen in Schweden erbeutet hatte. Um von diesen abzulenken – so hatte Ausonius zu Beginn des Prozesses erklärt –, habe er zwischen August 1991 und Januar 1992 insgesamt elf Anschläge auf Menschen mit Migrationshintergrund in Schweden verübt. Weil er dabei teilweise ein Waffe mit Laserzielvorrichtung verwendete, wurde er von der schwedischen Boulevardpresse „Lasermann“ genannt. Eines der Anschlagsopfer starb. In Schweden wurde Ausonius für seine Taten bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zum Zeitpunkt des Mordes an Blanka Zmigrod befand sich Ausonius bereits auf der Flucht. Aus Sicht des Frankfurter Landgerichts sprechen sowohl Ausonius’ Anwesenheit in Deutschland als auch das Vorgehen, die bei der Tat verwendete Munition und die Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten für die Täterschaft. 

Auch beim Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft, kritisierte jedoch zugleich die lange Verfahrensdauer als „rechtsstaatswidrig“. Bereits seit 1993 wird Ausonius als Verdächtiger im Fall Zmigrod geführt. Das Verfahren ruhte jedoch zwischen 1996 und 2014.

„Für die Kammer ist es rätselhaft, und es bleibt das Geheimnis der Staatsanwaltschaft, warum nicht früher Anklage erhoben wurde“, betont Richterin Stock. Aufgrund der Verfahrensdauer seien von der lebenslangen Haftstrafe vier Jahre bereits als verbüßt anzusehen. Das Gericht bejahte zudem eine anschließende Sicherungsverwahrung, weil es den Angeklagten „nach wie vor für gefährlich für die Allgemeinheit“ halte.

Wie diese Sicherungsverwahrung allerdings aussehen soll, steht in den Sternen. Ausonius hatte seiner Auslieferung nach Deutschland nur unter der Bedingung zugestimmt, dass er eine eventuelle Freiheitsstrafe in Schweden verbüßen darf. Das schwedische Rechtssystem sieht allerdings keine Sicherheitsverwahrung vor. 

Ausonius’ Verteidiger, Joachim Bremer, kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, in Revision gehen zu wollen. 

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