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„Lasermann“ Mysteriöser Mord an einer Frankfurter Garderobenfrau

Der als „Lasermann“ bekannte Schwede John Ausonius soll im Februar 1992 die Frankfurter Garderobenfrau Blanka Zmigrod erschossen haben. Nach seiner Auslieferung wird ihm jetzt der Prozess gemacht.

Mord an der Garderobenfrau
100 Meter von der Wohnung der Garderobenfrau entfernt hörte ein Spaziergänger um Mitternacht plötzlich einen Schuss. Foto: Christoph Boeckheler

Am 18. Februar 1992 gegen 11.30 Uhr klingelt im Büro von Helene Bosch das Telefon. Die Frau ist Managerin des Mövenpick, einem feinen Restaurant gegenüber der Alten Oper im Frankfurter Westend. Am Apparat ist ein Mann, der im barschen Ton erklärt, er sei zehn Tage zuvor beraubt worden. Und zwar von der Garderobiere Blanka Zmigrod, die ihm einen Taschencomputer vom Typ Casio aus der Manteltasche genommen haben soll, nachdem er das Kleidungsstück abgegeben hatte. 

Der unbekannte Anrufer gibt sich als Schwede aus, der in der Schweiz lebt. Dann sagt er noch, dass der Computer ungeheuer wichtig für ihn sei und er 200 D-Mark zahlen würde, wenn die Garderobenfrau den Casio wieder herausgibt. Auf die Frage von Helene Bosch, wohin man ihm den Rechner schicken solle, wenn man ihn findet, entgegnet der Anrufer, er sei viel unterwegs und daher telefonisch nicht zu erreichen. Wenn er das nächste Mal in Frankfurt sei, komme er vorbei.

Fünf Tage später ist Blanka Zmigrod tot. Der Mann, der nach Ansicht der Frankfurter Staatsanwaltschaft ihr Mörder sein soll, steht ab kommenden Mittwoch vor dem Oberlandesgericht in der Mainmetropole. Es wird ein Indizienprozess sein, da der Täter bei seinem Mord nicht von Zeugen beobachtet wurde und es keine stichhaltigen Beweise für die Schuld des nun Angeklagten gibt. Am Ende könnte das Verbrechen nach einem Vierteljahrhundert unaufgeklärt sein. 

Der Schwede ist bereits ein verurteilter Mörder

Für den Angeklagten, den 64-jährigen John Ausonius, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab, ob er jemals wieder in Freiheit kommen kann. Denn der Schwede ist bereits ein verurteilter Mörder, der seit 1992 in seiner Heimat eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt. Vor dem anstehenden Prozess hatte er sich noch Hoffnung auf eine Begnadigung und vorzeitige Haftentlassung gemacht. Bei einer Verurteilung in Frankfurt aber wäre ein Antrag auf Begnadigung aussichtslos.

Zwischen August 1991 und Januar 1992 hatte Ausonius in Schweden auf zehn Menschen geschossen und sie zum Teil lebensgefährlich verletzt. Einen elften hat er getötet: Jimmy Rajnbar, ein 34-jähriger Iraner, der seit Jahren in Schweden lebte. Alle Opfer waren Ausländer. Weil Ausonius auf einige von ihnen aus sicherer Deckung heraus mit einem Gewehr feuerte, das über eine Laser-Zieleinrichtung verfügte, nannte ihn die schwedische Presse „Lasermannen“, den Lasermann. Im Juni 1992 wurde er in Stockholm gefasst, nachdem er auf der Flucht durch die halbe Welt gereist war. Die Flucht führte ihn auch nach Deutschland: Nach Dresden, wo er sich eine falsche Identität besorgte, und dann nach Frankfurt, zur schicksalhaften Begegnung mit der Garderobenfrau.

Denn tatsächlich war es Ausonius, der die Mövenpick-Chefin im Februar 1992 angerufen hatte, weil er den Diebstahl seines Casio-Rechners an der Garderobe des Restaurants vermutete. Das gab er bei späteren Vernehmungen zu. Und er erklärte, warum der Taschencomputer damals von so großer Bedeutung für ihn gewesen sei. Denn auf dem Casio waren nicht nur wichtige Telefonnummern gespeichert, sondern auch seine ausländischen Kontoverbindungen, auf denen er die Beute mehrerer Banküberfälle versteckt hatte. 

Doch am 18. Februar 1992 blitzt er mit seinem Verdacht gegen die Garderobenfrau bei der Mövenpick-Managerin ab. Sie glaubt ihrer Angestellten, die beteuert, mit dem Verschwinden des Casio nichts zu tun zu haben. Blanka Zmigrod arbeitet seit 1991 im Mövenpick. Die 68-Jährige gilt als fleißig und zuverlässig, sie ist bei den Kollegen beliebt. Und sie lebt in gesicherten finanziellen Verhältnissen. Den Job im Mövenpick hatte sie vor allem deshalb angenommen, um wieder unter Menschen zu sein. Blanka Zmigrod stammt aus Oberschlesien, wo sie mit ihrer jüdischen Familie lebte, bis die Nazis an die Macht kamen. Nach dem Krieg wanderte sie nach Israel aus, kehrte aber 1960 nach Deutschland zurück und lebt seitdem in Frankfurt.

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