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Landgericht Wiesbaden Totschlags-Prozess ohne Leiche

Ein Mann soll seine Ehefrau getötet haben - von der Leiche fehlt aber jede Spur. Vor Gericht sagt der Angeklagte fast kein Wort.

01.06.2015 14:31
Ein Mann muss sich vor dem Wiesbadener Landgericht wegen Totschlags verantworten. Foto: dpa

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Eine Frau bringt an einem Februartag den Müll raus. Danach verschwindet sie spurlos. Ihr Ehemann meldet sie als vermisst, wird aber durch Ermittlungen der Polizei schnell zum Verdächtigen - und wegen Totschlags angeklagt. Zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Wiesbaden schwieg der 39-Jährige am Montag zu den Tatvorwürfen. Lediglich auf die Frage, ob er verwitwet sei, antwortete er «Nein».

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seine Ehefrau durch Nachrichten auf seinem Smartphone und seinem Computer von Affären des Angeklagten erfuhr und es zum Streit kam. Der 39-Jährige habe sie getötet, weil er «mit dem Zustand der Ehe nicht mehr einverstanden war», sagte Staatsanwalt Lothar Mieczkowski. Die Leiche habe er an einen unbekannten Ort gebracht.

Nach der Tat habe der Mann verschiedene Vertuschungsversuche unternommen und erst Tage später eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Unter anderem soll er Mails auf dem Handy gelöscht und versucht haben, Geld von ihrem Konto abzuheben. Bei den Vernehmungen durch die Polizei sagte der 39-Jährige aus, dass seine Frau am Abend eine Angstattacke bekommen habe. Um sie zu beruhigen, sei das Ehepaar nach Eltville gefahren und am Rhein spazieren gegangen. Die Frau sei dann plötzlich ins Wasser gesprungen und weggeschwommen.

Die Verteidiger des 39-Jährigen stellten die Verwertbarkeit der Polizei-Vernehmung am Montag infrage. Ihr Mandant habe einen Tag zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen. Dennoch sei er verhört worden. Die Ermittler hätten seinen Zustand bewusst ausgenutzt. Im vergangenen Jahr war schon einmal Anklage vor dem Landgericht Wiesbaden erhoben worden, damals wurde die Eröffnung des Verfahrens aber abgelehnt. Der 39-Jährige wurde aus der Untersuchungshaft entlassen und ging ins Ausland. Staatsanwaltschaft und Nebenklage legten Beschwerde gegen die Entscheidung ein, das Oberlandesgericht Frankfurt gab ihnen Recht. Der Ehemann wurde daraufhin in Belgien festgenommen.

Der Prozess soll am 16. Juni fortgesetzt werden. (dpa)

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