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Landgericht Frankfurt „Schwesta Ewa“ verurteilt

Zwei Jahre und sechs Monate - so fällt das Urteil gegen die Rapperin Ewa Mandala aus. Die ehemalige Musikerin verlässt das Gericht zunächst als freie Frau.

Prozess
Rapperin Schwesta Ewa. Foto: Arne Dedert (dpa)

Es sind die zwei Sätze auf die Ewa Malanda wohl sehnsüchtig gewartet hat. „Es ergeht noch folgender Beschluss“, hebt der Vorsitzende Richter Martin Bach an, „der Haftbefehl wird aufgehoben.“ Ewa Malanda – ihren Fans und der breiten Öffentlichkeit besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Schwesta Ewa – verbirgt das Gesicht hinter ihren Händen. Ein lauter Schluchzer entfährt der Rapperin, die sich ansonsten an diesem letzten Prozesstag vor dem Frankfurter Landgericht äußerst beherrscht gezeigt hatte. Zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe lautet das Urteil. Aber nach den letzten Worten des Vorsitzenden steht fest: Nach mehr als sieben Monaten Untersuchungshaft wird die Rapperin auf freien Fuß gesetzt – zumindest vorerst.

Dass es zu einer Verurteilung kommen würde, stand bereits lang vor diesem letzten Prozesstag fest. Die Anklage lautete auf Zuhälterei, Menschenhandel, gefährliche Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Malanda wurde unter anderem vorgeworfen, mehrere weibliche Fans in die Prostitution gedrängt zu haben. Dazu, so sieht es die Staatsanwaltschaft bis zum Schluss, hätte sie zunächst dafür gesorgt, dass sich die Mädchen bei ihr verschulden. Anschließend habe Malanda sie für sich anschaffen lassen, um eben diese Schulden zu begleichen. Und wenn sie nicht spurten oder der „Schwesta“ sonst irgendwie auf die Nerven gingen, setzte es Schläge, Tritte und Beleidigungen.

Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass die Rapperin, die selbst jahrelang als Prostituierte arbeitete und in ihren Videos immer wieder mit ihrem Rotlicht-Image kokettiert, ihren Bekanntheitsgrad ausgenutzt hat, „um Mädchen um den Finger zu wickeln“. Die Anwältin einer der Betroffenen, die als Nebenklägerin auftritt, spricht sogar von einem „System von Erniedrigung, Beleidigung, Unterdrückung und körperlicher Gewalt“. Entsprechend hoch ist das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß: vier Jahre und drei Monate.

Im Prozess indes hatte sich das Geschehen etwas anders dargestellt. Tatsächlich hatten sowohl Malanda als auch die betroffenen Frauen während des Prozesses übereinstimmend erklärt, dass die Prostitution auf freiwilliger Basis stattfand. „Schwesta Ewa“ arrangierte die Treffen mit Freiern in Hotels, stattete die Frauen mit Outfits, aus und fuhr sie teilweise selbst zu den Terminen. Für den „Service“ hielt Malanda die Hand auf – sehr weit. So konnte es passieren, dass einer der Frauen nach zwei Wochen mit täglich zehn Freiern, die jeder um die 150 Euro berappen mussten, gerade einmal 200 Euro blieben.

Für Malanda sprach, dass sie sich in großen Teilen geständig zeigte – insbesondere was die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und der Körperverletzung angeht. Letztere allerdings sei mehr Ausdruck ihres Temperaments gewesen und diente nicht dazu, die Frauen gefügig zu machen, hatte sie stets betont. „Bedrückend“, nennt selbst Malandas Verteidiger das Ausmaß der Gewalttaten. Dennoch habe dahinter „kein System“ gestanden. „Im Ergebnis haben wir keinen Beweis, dass es sich um konstruierte Schulden handelte“, betonte er. Es handele sich nicht um „Ausbeutung im Rechtssinne“.

Am Ende wird das Gericht größtenteils der Auslegung der Verteidigung folgen. Verurteilt wird Malanda wegen Steuerhinterziehung in 18 Fällen, wegen zweier Fälle der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und nicht weniger als 35 Fällen von Körperverletzungen – wovon zwei als schwer gewertet werden. Zugute gehalten wird ihr, dass sie nicht vorbestraft ist, ihre Steuerschulden beglichen und sich bei den Geschädigten entschuldigt hat. „Ich schäme mich sehr für mein hässliches und aggressives Verhalten“, hatte Malanda vor der Urteilsverkündung erklärt. Künftig wolle sie sich von der Rotlicht-Szene distanzieren und sich allein ihrer Musik widmen.

Ob ihre Fans, die zahlreich zum Prozessende erschienen sind und die Aufhebung des Haftbefehls mit Applaus feierten, ihr diesen Imagewechsel abnehmen, bleibt dahingestellt. Das Gericht hatte die „unkritische Idealisierung von Prostitution und Zuhälterei“ als wesentlichen Bestandteil der Selbstvermarktung Schwesta Ewas bezeichnet. Ob es auch ohne geht, wird sich zeigen. Aber mit Ausstiegen kennt Ewa Malanda sich ziemlich gut aus.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schwesta Ewa

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