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Landgericht Frankfurt Prozess um Gruppenvergewaltigung in Schwalbach

Fünf junge Männer sollen auf einem Spielplatz in Schwalbach eine Frau in eine Hütte gezerrt und vergewaltigt haben. Die Verteidiger der Angeklagten machen es der Betroffenen unnötig schwer.

Gerichtszentrum | Gericht Frankfurt | 08.05.2017
Foto: Peter Juelich

Es ist eine Anklage, bei der selbst hartgesottenen Gerichtsgängern die Luft wegbleibt. Fünf junge Männer müssen sich seit Freitag vor der Großen Jugendkammer des Frankfurter Landgerichts verantworten. Dem Quintett wird vorgeworfen, im September des Jahres 2011 in Schwalbach eine damals 38 Jahre alte Frau auf dem Weg zur Arbeit überfallen, in eine Spielplatz-Hütte verschleppt und dort mit unfassbarer Brutalität mehrfach vergewaltigt zu haben. Die Angeklagten waren zur Tatzeit zwischen 15 und 18 Jahren alt.

Laut Anklage war die Frau an jenem frühen Abend zu ihrer Arbeit in einem Sportvereinsheim unterwegs, als sie merkte, dass am Marktplatz eine Gruppe junger Männer sie angaffte. Einer der Männer lief ihr nach, zwang ihr ein Gespräch auf und bedrohte sie plötzlich beim Spielplatz, indem er ihr einen spitzen Gegenstand in den Rücken drückte.

Zwei weitere junge Männer kamen dazu; die Bitte der Frau, sie gehen zu lassen, wurde mit „Sei nicht so laut, du machst jetzt, was wir wollen!“ beantwortet.

Für das, was sie wollten, hievten sie die Frau über den Zaun des bereits abgeschlossenen Spielplatzes und schleppten sie in eine Holzhütte am anderen Ende. Bevor das Martyrium des Opfers begann, telefonierte das Trio noch zwei Freunde hinzu. „Lachend und feixend“, so die Anklage, gingen die fünf dann zur Tat. Es liegt im Wesen der Vergewaltigung, dass ihre Schilderung oft schwer zu ertragen ist. Der Schwalbacher Fall ist einer der schwersten, die man sich vorstellen kann. 

Es hat lange gedauert, bis die mutmaßlichen Täter ausfindig gemacht werden konnten. Auch Phantombilder im Fernsehen brachten keine Erkenntnisse – doch von Anfang an hatte die Polizei nicht nur die Handydaten eines nahen Funkmastes archiviert, sondern auch etliche DNA-Spuren vom Tatort. 

Die DNA brachte die Ermittler schließlich auf die Spur – die Probe stammte aus einer Diebstahls-Sache, wegen der gegen einen der jungen Männer später ermittelt worden war.

Dass die Angeklagten vor Ort waren, daran besteht wohl kaum ein Zweifel. Am Freitag wollte keiner von ihnen Angaben zur Tat machen – über ihre Anwälte aber ließen sie ankündigen, am nächsten Verhandlungstag, an dem auch das Opfer als Zeugin erscheinen soll, aussagen zu wollen. „Wir wollen nicht, dass sie sich vorbereiten kann“, so einer der Verteidiger. In den ersten Vernehmungen hatten die Angeklagten gegenüber den Ermittlern angegeben, der Geschlechtsverkehr habe im besten Einvernehmen stattgefunden.

Wunsch des Opfers ausgeschlagen

Das Opfer tritt auch als Nebenklägerin auf. Ihr Anwalt richtete am ersten Verhandlungstag einen fast schon flehentlichen Appell an die Angeklagten, seiner Mandantin durch ein Geständnis eine demütigende Aussage zu ersparen. 

Es liegt ein Attest eines psychiatrischen Sachverständigen vor, das dringend vor einer Gegenüberstellung mit ihren mutmaßlichen Peinigern warnt und eine „audio-visuelle Befragung“ vorschlägt. Es bestehe Suizidgefahr aufgrund einer „multi-morbiden Störung“. Die Frau, sagt ihr Anwalt, wiege kaum noch 40 Kilo. Sie fürchte den Prozess.

Die Verteidiger der Angeklagten hingegen scheinen sich bereits darauf zu freuen. Es sei schon verwunderlich, sagte einer, dass das angebliche Opfer jahrelang ohne psychologischen Beistand ausgekommen sei, er glaubt nicht, „dass die da jetzt plötzlich kollabiert“, bloß weil die Verhandlung ins Haus stehe. 

Und nicht nur das: Die Verteidiger treten sogar dem völlig selbstverständlichen Antrag der Nebenklage entgegen, die Öffentlichkeit auszuschließen, falls die Frau gezwungen sein sollte, die entsetzlichen Details noch einmal im Zeugenstand durchzugehen. 

„Die Haltung, die ich heute hier erlebe, halte ich für schlimm“, brachte der Anwalt der Nebenklage die Gefühle wohl sämtlicher Prozessbeobachter auf den Punkt. Und er meinte nicht bloß die Haltung der Angeklagten, die am Freitag einen mehr als selbstzufriedenen und optimistischen Eindruck machten.

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