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Landgericht Frankfurt Millionenschaden nach Aktien-Manipulation

Das Landgericht Frankfurt verhandelt einen lehrbuchartigen Versuch der Manipulation am Aktienmarkt. Angeklagt sind zwei Männer, die über Scheinfirmen ihre eigenen Aktien gekauft und verkauft haben.

Börse
Wer hat an dem Kurs gedreht? Ganz egal, jetzt ist’s zu spät. Foto: Christoph Boeckheler

Der freie Markt ist schon ein janusköpfiger Schelm. Auf der einen Seite präsentiert er sich nun schon seit Jahren als raffgieriger, asozialer Sittenstrolch, auf der anderen Seite verdanken wir ihm so schöne Begrifflichkeiten wie etwa „Marktmanipulationskonkretisierungsverordnung“.

Wegen Verstoßes gegen diese stehen Kai H., 43, und Fabian V., 37 Jahre alt, seit Mittwoch vor dem Landgericht. Die Anklage liest sich wie Stoff für Erstsemester der School of Finance & Management, die sich mal schnell informieren wollen, wie’s nicht gemacht werden sollte.

Laut Anklage wird’s so gemacht: 2006 gründen H. und V. ein Unternehmen, das Versicherungen makelt – so seriös, wie das Metier es zulässt. Die Geschäfte laufen leidlich. 2010 wollen die beiden das Stammkapital von 50 000 auf 830 000 Euro erhöhen und geben 780 000 Aktien zum Nennwert von einem Euro heraus. Die meisten Ein-Euro-Aktien gehen an sie selbst, der Rest wird erst an der Wiener, dann auch an der Frankfurter Börse für 60 Euro angeboten. Keiner will kaufen.

Um „nicht vorhandene Liquidität vorzutäuschen“, kaufen und verkaufen H. und V. laut Anklage über Scheinfirmen ihre eigenen Aktien. Dem Kurs nutzt das nichts.

In ihrer Not, so die Staatsanwaltschaft, planen die Unternehmer, ihre Aktien mit einer „Spam-Mail-Aktion“ zu bewerben. Doch dieser Plan erweist sich als „technisch zu schwierig“.

Jetzt kann nur noch einer helfen: Markus Frick, damals noch als „Börsenguru“, TV-Moderator und Buchautor, heute eher als verurteilter Betrüger und Marktmanipulator bekannt. Frick verspricht den beiden laut Anklage, ihre verschmähte Aktie attraktiv zu machen.

Aktie attraktiv gemacht

Das gelingt ihm auch. Kaum hat Frick sich der Sache angenommen, explodiert die Nachfrage. Fricks Einsatz ist eher gering: Er mailt 10 000 Adressaten an und preist die Aktie als todsichere Anlage. Organisiert wird die „Mailerei“ von der Ukraine aus. Frick, gegen den zu diesem Zeitpunkt schon längst die Staatsanwaltschaft ermittelt, nimmt dabei aus Diskretionsgründen die Identität des Börsengurus Stefan Zapf aus Budapest an. Stefan Zapf gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Aber immerhin schraubt ein befreundeter Hausmeister aus Budapest ein Stefan-Zapf-Namensschild an das Haus, welches er meistert. Zapf besingt die Unsinnsaktie in höchsten Tönen, verspricht „Gewinne ohne Risiko“, eine Rendite von 100 Prozent sei bei dieser „Kursrakete“ wohl das Mindeste.

Der Kurs steigt. H. und V. sind begeistert. Der Kurs fällt. H. und V. werden nervös. Es liege allein an den beiden, was die Aktie wert sei. „Sie allein bestimmen, ob ich auf den Knopf drücke oder nicht“, sagt Frick laut Anklage den Unternehmern. Je höher die Summen, die sie zahlten, desto öfter und doller werde er auf’s Knöpfchen drücken. Die beiden zahlen, immer öfter, die Summen werden immer sechsstelliger, Zapf drückt aufs Knöpfchen, bis irgendwann keine Zahlungen mehr kommen, die „Kursrakete“ schmiert von gut 60 auf drei Euro ab. Als im April 2011 der Insolvenzverwalter die traurigen Reste der „Geisterfirma“ inspiziert, findet er gerade noch ein Auto der Marke Mini.

Maxi ist dagegen der Schaden, der geht in die Millionen, die genaue Höhe ist schwer taxierbar, die Opfer sind die Anleger, die Zapf aka. Fricke vertraut hatten.

Frick selbst wurde vom Landgericht Berlin 2011 wegen Marktmanipulation zu einer Geldstrafe in zweistelliger Millionenhöhe, vom Frankfurter Landgericht 2014 wegen Marktmanipulation zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Was am Ende für H. und V. rausspringt, wird die Zeit zeigen. Beobachter rechnen mit einer langen, antragsintensiven Verhandlung, die Verteidiger der Angeklagten sind hochpreisig, im Gegensatz zu mancher Aktie aber ihr Geld wert. Denn so schnell lässt der Markt, der Schlingel, seine Jünger nicht fallen. Er sorgt für die Seinen.

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