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Landgericht Frankfurt Milde Urteile für Raubmörder

Im Griesheimer Raubmordprozess müssen die drei Angeklagten trotz der Brutalität der Tat nur acht bis zwölf Jahre ins Gefängnis. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft erwägt Revision.

Prozesse in Frankfurt
Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt. Foto: dpa

Im Prozess um einen brutalen Raub an einem älteren Ehepaar in Frankfurt-Griesheim hat das Landgericht am Donnerstag milde Urteile gesprochen. Die drei Angeklagten wurden wegen Mordes, versuchten Mordes und Raubes mit Todesfolge verurteilt. Der 26 Jahre alte Vladimir A. muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Die beiden Komplizen wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt, wonach die Höchststrafe bei zehn Jahren liegt. Andrei B. muss für acht Jahre und sechs Monate, der noch zwei Jahre jüngere Daniel M. für acht Jahre ins Gefängnis.

Die drei Angeklagten sollen mit zwei noch flüchtigen Mittätern im Oktober 2017 einem älteren Ehepaar vor deren Haus aufgelauert und es dann mit großer Brutalität geschlagen und getreten haben. Der 78-jährige Walter E. erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus, seine gleichaltrige Frau Rose überlebte schwer verletzt und ist traumatisiert.

Das halbstündige Martyrium, das die Eheleute an jenem 9. Oktober 2017 in der Linkstraße erleiden mussten, war in den vergangenen vier Monaten Gegenstand der Untersuchung der Großen Jugendstrafkammer. Der Vorsitzende Richter Uwe Steitz ging in seiner gut einstündigen Urteilsverkündung mehrfach auf die große Brutalität ein, mit der die Täter zu Werke gingen. Die Tat sei „typisch für einen Raubmord“ und nach der Gegenwehr der Opfer „vollständig aus dem Ruder gelaufen“, so Steitz.

Die Täter hatten ihr Vorhaben sorgfältig geplant und ihre Opfer ausgekundschaftet. Das vermögende Ehepaar betrieb ein Geschäft für Uhren und Schmuck unweit des Tatorts. Als sie an jenem Abend aufbrachen, informierte ein Komplize die vier Täter in der Linkstraße, die fast zeitgleich über die Mauer des schwer gesicherten Anwesens geklettert waren und sich im Innenhof versteckten. Vom Eintreffen des Ehepaars am eigenen Haus um 21.21 Uhr bis zum Zugriff der Polizei um 21.50 Uhr verging rund eine halbe Stunde, in der die beiden Eheleute gefesselt und wegen ihrer Hilfeschreie und Abwehrversuche immer wieder getreten und geschlagen wurden. Dass die Frau, die während des Prozesses schwer gezeichnet als Zeugin ausgesagt hatte, bei einem Tritt gegen den Kopf nicht auch zu Tode kam, sei „rein vom Zufall und glücklichen Umständen“ abhängig gewesen, so Steitz.

Gericht verneint besondere Schwere der Schuld

Ein Nachbar hatte die dumpfen Schläge gehört und beunruhigt Sturm geklingelt. Im Haus hatten Täter und Opfer vermutet, dies sei die Polizei. Dem vierten Täter gelang noch die Flucht, die drei übrigen wurden kurz darauf von der alarmierten Polizei gefasst.

Das Gericht verwendete viel Mühe darauf nachzuweisen, dass die Angeklagten alle drei bei dem Gewaltexzess im Raum dabei waren und wertete dies als bedingten Tötungsvorsatz. „Die Brutalität ist dafür entscheidend“, sagte Steitz und zählte noch einmal die vielen Verletzungen auf, die beide Opfer erlitten. Das Gericht konnte allerdings nicht nachweisen, wer für welche Verletzungen verantwortlich war. Dies, die bislang nicht vorhandenen Vorstrafen und die Teilgeständnisse der Angeklagten bewahrten sie vor höheren Haftstrafen.

Länger mit sich gerungen hatte die Kammer damit, ob der zum Tatzeitpunkt gut 20-jährige B. als Jugendlicher oder als Erwachsener zu bestrafen sei. Zwischen 18 und 21 Jahren ist dies Ermessenssache des Gerichts. Da B. „keine konkrete Lebensplanung“ gehabt hatte, entschied das Gericht zugunsten des Angeklagten auch hier milde und bewahrten ihn vor dem strengeren Erwachsenenstrafrecht. „Ein Grenzfall“, gestand Richter Steitz.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht gefordert und bei der Tat wegen der großen Brutalität auch eine besondere Schwere der Schuld gesehen, was eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren bedeutet hätte. Das Gericht verneinte dies. Ein Mord sei immer eine besonders schwere Straftat, dieser Mord mit „nur“ bedingtem Vorsatz aber nicht besonders schwer. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, Rechtsmittel zu erwägen.

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