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Landgericht Frankfurt Macheten und Marihuana im Schrank

Das Landgericht verhandelt gegen einen bewaffneten Dealer, der unbewaffnet gewesen sein will. Da die Polizei bei der Durchsuchung neben Haschisch beim Junior auch Kokain beim Senior fand, könnte der Haussegen schiefstehen.

Justizia wacht am Römer in Frankfurt. (Symbolbild) Foto: ddp

Machetes Sohn braucht keine Machete. „Ich brauche keine Machete“, sagt Machetes Sohn, „ich habe noch nicht mal ein Taschenmesser.“ Machetes Sohn steht wegen Drogenhandels mit Waffen vor dem Landgericht. Im August 2014 fand die Polizei bei der Durchsuchung der elterlichen Wohnung in Fechenheim, in der Machetes Sohn damals noch hauste, in einem Schränkchen ein Pfund Marihuana, eine Feinwaage, mehr als 3000 Euro in bar – und eine Machete. Die Drogen seien „zum gewinnbringenden Verkauf bestimmt“ gewesen, vermutet die Staatsanwaltschaft.

Stimmt nicht, sagt Machetes Sohn. Es habe sich um ein Pfund Haschisch gehandelt. Sonst stimme es aber schon. Er sei eben ein „starker Kiffer“, gibt Machetes Sohn zu Protokoll, bis zu fünf Gramm am Tag habe er damals weggeraucht. Ein bisschen was sei zum Eigenkonsum gedacht gewesen, der Rest dazu, den Eigenkonsum zu finanzieren. Nun lernt jeder Mathematikstudent bereits sehr früh, dass ein Pfund Hasch bei einem täglichen Konsum von fünf Gramm nicht mal ein Semester langt, aber Machetes Sohn ist kein Mathematikstudent, sondern arbeitet seit neun Jahren als Lagerarbeiter für einen Paketzusteller.

Weißes Pulver beim Senior

Nun sei das so gewesen: „Im oberen Teil des Schränkchens“ habe er den Stoff verstaut. „Im unteren Teil des Schränkchens“ habe die Machete gelegen, halb „versteckt unter Deckchen“. Er habe dort nie reingeguckt, „warum hätte ich sollen?“ Die Machete, sagt Machetes Sohn, gehöre seinem Vater, „der hatte mal ’nen sehr großen Fetisch dafür“. So groß, dass früher mal Macheten an der Wohnzimmerwand hingen, aber das sei zu einer Zeit gewesen, als die anderen Söhne von Machete auch noch in der Bude abhingen. Dass sein Vater eine der ollen Macheten mittlerweile im Schränkchen unter den Deckchen verklappt hatte, habe er nicht gewusst. „Warum auch? Ich stehe ja nicht morgens auf und rede mit meinem Vater über Macheten.“

Das wäre vielleicht mal ein interessantes Frühstücksthema gewesen, geht aber jetzt nicht mehr, denn mittlerweile ist Machetes Sohn flügge geworden und gen Offenbach gezogen. „Ich werde jetzt 30. Bei meinen Eltern zu wohnen ist nicht das Gelbe vom Ei. Außerdem hat mir die Lage nie gefallen.“

Es könnte natürlich auch sein, dass der Segen im Hause Machete seit der Durchsuchung ein wenig schiefhängt. Denn seitdem schlummert nicht bloß die Machete selig in der Asservatenkammer der Polizei. Als die Beamten nämlich das Pfund Marihuana oder Haschisch oder was auch immer im Schränkchen des Juniors fanden, entdeckten sie beim Senior fünf Gramm eines weißen Pulvers, das relativ zweifelsfrei als Kokain identifiziert werden konnte. Denn Machete kifft nicht – Machete zieht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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