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Landgericht Frankfurt Haftstrafe für Straftäter vom Uni-Campus

1. UpdateZwei Jahre und zehn Monate Haft muss ein 28-jähriger Familenvater ins Gefängnis, der auf dem Uni-Campus drei Frauen genötigt bzw. versucht hat, sie zu vergewaltigen.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Der Mann, der wochenlang den Campus und die Stadt in Schrecken versetzt hat, beschäftigt das Landgericht lediglich ein paar Stunden. Bereits am Montagmittag verkündet der Vorsitzende Richter Martin Bach das Urteil in dem Prozess, der am Morgen begonnen hatte und ursprünglich mit drei Verhandlungstagen geplant war: Der 28 Jahre alte Sukhjeet S. wird wegen schwerer sexueller Nötigung sowie des zweimaligen Versuchs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Das Urteil nimmt der Angeklagte, den während des Plädoyers seines Verteidigers Weinkrämpfe geschüttelt hatten, mit gesenktem Kopf zur Kenntnis.

Mindestens vier Frauen hatte S. in seinem Jagdrevier nahe der Uni, durch das ihn fast täglich sein Weg von seinem Arbeitsplatz in einer Bornheimer Pizzeria zu seiner Dachgeschosswohnung in Heddernheim führte, massiv bedrängt.

In der Nacht des 6. Oktober 2017 fragte er eine 23 Jahre alte Frau nach dem Namen der Straße, in der sie sich gerade befänden. Diese Frage stellte er zu Beginn jeder Tat. Dann zerrte er die Frau hinter eine Hecke, hielt sie fest, drohte ihr und forderte Oralverkehr. Dem Opfer, das sich so gut wie es ging zusammenriss, gelang es, den Täter durch Zureden dazu zu bringen, sich mit Handarbeit zu begnügen – was S. letztlich wohl auch eine Verurteilung wegen Vergewaltigung ersparte.

Am 19. Dezember gerät S. an eine 37-Jährige. Und an die Unrechte: Die Frau ruft nicht bloß um Hilfe, mit Schlägen und Tritten bringt sie S. zu Boden, der sich mit knapper Not wieder aufrappeln kann und eingezogenen Schwanzes und hinkend die Flucht ergreift. Auch am 6. Januar 2018 gelingt es einer 23-Jährigen, ihn durch Rufe und Gegenwehr in die Flucht zu schlagen.

Die Angst geht um

Zu diesem Zeitpunkt aber geht die Angst längst um. Die Uni fordert ihre Studentinnen in einer Rund-Mail auf, nachts nur gut beleuchtete Wege zu wählen, und bietet einen Begleitservice an. Auch die Polizei ermittelt mit Hochdruck. Im Februar sitzt eine Polizeibeamtin als Lockvogel auf einer Parkbank. S. setzt sich daneben und geht ihr auf den Leim. Der Schrecken des Campus wird mit offener Hose festgenommen.

„Ich war notgeil“, erklärt der gebürtige Inder dem Landgericht in einer Einlassung, die sein Verteidiger verliest. S. gesteht alle drei Anklagepunkte. Das ist neu. Bislang hatte er nur die vollendete Tat eingeräumt und zu den Versuchen geschwiegen. Jetzt wolle er „reinen Tisch“ machen, verspricht sein Anwalt. Fragen will S. aber nicht beantworten.

Er sei in Indien geboren, habe weder Schulabschluss noch Berufsausbildung, sei 2004 nach Italien und 2013 nach Deutschland gekommen und nicht vorbestraft, gibt S. zu Protokoll. Er arbeite in einer Pizzeria. Seine Ehe hätten die Eltern 2016 in Indien für ihn arrangiert. Zur Tatzeit sei seine Frau mit der gemeinsamen Tochter schwanger gewesen und habe den Sex mit ihm verweigert. Er habe sich vor den Taten immer ein bisschen Mut angetrunken und sei dann „falscherweise seinen sexuellen Trieben gefolgt“, was er dauere. Seine Ehefrau und die wenige Monate alte Tochter sitzen im Publikum. Die Frau weint, die Tochter plärrt.

Spätestens seit dem Auftritt der zweiten Zeugin hat der kleine, schmächtige S. jegliches Schreckenspotenzial eingebüßt. Auf die Frage seines Verteidigers, ob S. nach der fürchterlichen Tracht Prügel, die sie ihm verpasst habe, nicht vielleicht ein klein wenig „vom Täter zum Opfer“ geworden sei, fragt die erfreulich selbstbewusste Zeugin retour, ob „das jetzt wirklich Ihr Ernst“ sei und erklärt ihm ganz ruhig, dass sie sich weigere, derart dumme Fragen zu beantworten. Der Verteidiger, der ansonsten einen guten Job macht, zeigt sich einsichtig.

Neben der Haftstrafe muss S. seinem ersten Opfer 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen – 1000 hat er bereits überwiesen. Zudem ist sein Aufenthaltstitel für Deutschland abgelaufen – ihm droht nach Haftverbüßung die Abschiebung nach Italien.

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