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Landgericht Frankfurt Die Mutter aller Männerfragen

„Hure, ich werde dir zeigen, was ein richtiger Mann ist!“, sagte Yassine A., dann schlug und bedrängte er seine Schwägerin. Die wehrte sich erfolgreich - jetzt muss A. seine Männlichkeit vor dem Gericht beweisen.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Wann ist man ein Mann? Das muss wohl jeder für sich selbst jeden Tag aufs Neue definieren. So wie Yassine A. das am Dienstagmorgen vor dem Landgericht tut, wo er sich wegen eines besonders schweren Falls der sexuellen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung verantworten muss.

Und so wie das Yassine A. laut Anklage am 14. Juli 2017 auch getan hat. Da soll der 34 Jahre alte Autolackierer gegen 19.30 Uhr die Wohnung seiner Verlobten in der Mainzer Landstraße betreten haben, welche deren Schwester gerade verlassen wollte. Laut Staatsanwaltschaft begrüßte er die Schwägerin in spe mit den Worten: „Hure, ich werde dir zeigen, was ein richtiger Mann ist!“ Damit wäre schon mal klar: Höflichkeit ist in A.s Augen kein Männlichkeitsattribut. Aber was dann?

Hauen, Beißen, Haareziehen

Stärke? Yassine A. ist ein ziemlich kleiner Mann, daher schämte er sich auch nicht, eine Teekanne aus Messing zu Hilfe zu nehmen, um die sich sträubende Frau gefügig zu schlagen, sagt die Anklage. Das gelang nicht, die Frau leistete auch noch Widerstand, als A. die Sekundärwaffen eines Mannes einsetzte und sein Opfer an den Haaren zog und biss. Nutzte alles nichts: Seine Gegnerin erlitt eine Gehirnerschütterung, Schürf- und Bisswunden sowie Prellungen und verlor Haare, aber sie obsiegte. Yassine A. räumte das Schlachtfeld als geschlagener Mann. Aber als Mann.

Der sich ja vielleicht durch Weltgewandtheit definiert. Immerhin flüchtete der gebürtige Marokkaner kurz nach jenem Julitage nach Spanien, wo er im Juni vergangenen Jahres festgenommen wurde und einen Monat in Auslieferungshaft saß. Seitdem sitzt er in Preungesheim. A. hat also durchaus schon ein paar Zipfel der Welt gesehen, aber nicht allzu viel davon mitgenommen. Auf die Frage nach seinem Geburtstag antwortet A. dem Vorsitzenden Richter mit „einster Oktober“, der Dolmetscher verhindert Schlimmeres. Weltgewandtheit scheidet also auch aus.

Aber was bleibt denn dann noch? Schönheit? Intellekt? Modebewusstsein? Yassine A. scheint all das nicht für tragende Säulen der Männlichkeit zu erachten. Immerhin sitzt er hier auf der Anklagebank, er kann ja auch nicht anders, und vermutlich muss ein Mann mitunter einfach tun, was ein Mann tun muss.

Am ersten Verhandlungstag passiert nicht viel. Das mutmaßliche Opfer soll erst am kommenden Prozesstag gehört werden. Und Yassine A. macht am Premierentag zumindest klar, was ein Mann seiner Ansicht nach nicht sein sollte: geschwätzig. „Mein Mandant verteidigt sich schweigend“, sagt sein Verteidiger. Vielleicht ist es ja das, was einen Mann ausmacht.

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