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Kriminalität Räuber mit Rollator

Ein arbeitsloser Familienvater überfällt jahrelang in verschiedensten Verkleidungen Banken. Er spielt sogar einen Rentner mit Rollator.

13.10.2017 07:59
Prozess
Eine Gerichtszeichnerin malt zum Prozessauftakt im Landgericht Kassel die Verteidiger vom Angeklagten. Dem 45-Jährigen Angeklagten wird schwere räuberischen Erpressung vorgeworfen. Foto: Swen Pförtner (dpa)

Wegen Banküberfällen in verschiedensten Verkleidungen muss sich seit Donnerstag ein 45-Jähriger vor dem Landgericht in Kassel verantworten. Er soll jahrelang Sparkassen im Raum Kassel ausgeraubt und dabei über 1,3 Millionen Euro erbeutet haben. Dabei ging der arbeitslose Familienvater laut Anklage sehr kaltblütig vor.

Sechs Fälle zwischen 2012 bis 2016 legen ihm die Ermittler zur Last. Das Vorgehen sei stets ähnlich gewesen. Mit einer Pistolenattrappe habe er Angestellte bedroht und sie gezwungen, Tresore und Geldautomaten zu öffnen. Dabei habe er auf wechselnde Verkleidung gesetzt: Falsche Augenbrauen, falscher Bart, Pflaster im Gesicht und Mützen. Eine Sparkasse wurde von einem Täter in Bauarbeiter-Kleidung überfallen - davor fanden wirklich Bauarbeiten statt.

Selbst ein Rentner mit Rollator entpuppte sich laut Staatsanwalt als Bankräuber: Als die Sparkassen-Angestellten bei einem vermeintlichen Schwächeanfall helfen wollten, habe der Mann plötzlich eine Waffe gezogen. Die Mitarbeiter wurden bei den Überfällen oft gefesselt oder eingesperrt. Auch Drohungen gegen ihre Familien soll der Räuber ausgesprochen haben. Eine Filiale überfiel er dreimal. Als Fluchtfahrzeuge dienten Fahrräder.

Der Angeklagte wurde schließlich nach einem Überfall im Jahre 2016 in Tatortnähe festgenommen.Selbst für die Polizei war sein dreistes Vorgehen ein Novum: „In dieser Kombination hatten wir das noch nie“, sagte ein Sprecher vor Beginn des Prozesses wegen schwerer räuberischer Erpressung. Vor Gericht machte der Angeklagte einen unscheinbaren Eindruck: mittelgroß, gepflegt, Bart, Brille. Es habe nie „eine objektive Gefahr für Leib und Leben“ der Sparkassen-Mitarbeiter bestanden, sagte einer seiner Rechtsanwälte: „Er hat geblufft.“ Die Pistole sei nicht echt gewesen.

Die Verteidigung fordert für den Fall eines Geständnisses eine milde Strafe. Die bereits ins Gespräch gebrachten sieben bis acht Jahre Haft seien sehr viel, sagte der Rechtsanwalt des Angeklagten. Er verwies darauf, dass der Mann drei Kinder hat und vorher unbescholten war. (dpa)

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