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Kriminalität in Hessen Späte Gerechtigkeit

Immer öfter kommen Prozesse vor Frankfurter Gerichte mit einigem zeitlichen Abstand zustande. Oft ist das den verbesserten technischen Möglichkeiten der Polizei zu verdanken.

Symbolfoto Gericht
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Im April 2009 verurteilt das Landgericht den Mörder von Margarethe Buckwitz, der Witwe des ehemaligen Theaterintendanten Harry Buckwitz, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Dem bei der Verurteilung 57 Jahre alten Busfahrer, der die Frau im Juni 1989 in deren Haus in Schmitten ausgeraubt und erwürgt hatte, war eine DNA-Probe zum Verhängnis geworden, die er 2007 hatte abgeben müssen, nachdem er wegen einer Sexualstraftat verurteilt worden war.

Im Juni 2007 verurteilt das Landgericht auch den Mörder von Beatrix Scheible zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der mittlerweile 49 Jahre alte Korbflechter hatte im Dezember 1981 die 16 Jahre alte Schülerin im Nordwestzentrum erstochen und sich an ihrer Leiche vergangen. Der Prozess erhitzt die Gemüter, denn der Angeklagte gesteht die Tat, stellt sie aber als eine Art Unfall dar.

Das glaubt zwar niemand, aber dennoch fürchten viele, dass der Mörder ungestraft davonkommt. Denn Totschlag verjährt – im Gegensatz zu Mord – nach 20 Jahren, und es ist schwer, nach so langer Zeit eindeutige Mordmerkmale nachzuweisen. Als Richter Thomas Bachl schließlich das Urteil verliest, brandet Jubel im Zuschauersaal auf.

Und es dauert bis Oktober 2017, bis ein 41 Jahre alter Mann aufgrund der DNA als der Mann identifiziert wird, der im September 1999 die achtjährige Johanna Bohnacker ermordete. Der Prozess steht noch aus.

Es sind immer öfter – aber nicht immer – die DNA und die verbesserten technischen Möglichkeiten der Polizei, die zu später Gerechtigkeit führen. Im vergangenen September musste sich ein 62-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung eines Kindes vor dem Landgericht verantworten: Er hatte um die Jahrtausendwende die damals zwölf Jahre alte Tochter einer befreundeten Familie mehrfach missbraucht. In diesem Fall war keine DNA im Spiel. Doch das traumatisierte Opfer hatte Jahre der therapeutischen Aufarbeitung gebraucht, um den Mann, der gleich zu Prozessbeginn ein umfassendes Geständnis ablegte, anzuzeigen. 

Manchmal ist es für Gerechtigkeit aber auch schlicht zu spät, wie ein Blick über die Frankfurter Stadtgrenze zeigt. Im Januar dieses Jahres verurteilt das Jugendgericht in Flensburg einen 52 Jahre alten Mann wegen Mordes zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Der Mann hatte 1982 als 17-Jähriger eine Rentnerin vergewaltigt und erwürgt. Verurteilt wird er darum nach Jugendstrafrecht – dort allerdings beträgt die Höchststrafe zehn Jahre. Und 1986 hatte das Landgericht Lübeck den damals 21-Jährigen bereits zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt, weil er ein Jahr zuvor einen Siebenjährigen in Holstein erwürgt hatte. Für eine Haftvollstreckung sieht die Kammer keine Grundlage: Im Jugendstrafrecht stehe der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Für einen 52-Jährigen sei das zu spät. 

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