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Kriminalität Besonders viele Kinder werden straffällig

Die Zahl der aufgeflogenen Rauschgiftdelikte in Hessen ist angewachsen.

Kriminalität
Eine gute Nachricht: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zurückgegangen. Foto: imago

In Hessen ist die Zahl aufgeflogener Rauschgiftdelikte drastisch angewachsen. Sie stieg um deutlich mehr als 4000 Fälle auf gut 27.500. Allein in Frankfurt betrug der Zuwachs fast 3300 Drogendelikte. Dort wurden beinahe 10.500 Vergehen mit den verbotenen Substanzen aufgedeckt.

Deutet das auf eine drastische Steigerung des Drogenhandels hin? Oder ist es eher eine positive Entwicklung, weil mehr Straftätern das Handwerk gelegt wurde?

Innenminister Peter Beuth (CDU) und Landespolizeipräsident Udo Münch sehen die gestiegenen Zahlen mit Freude. Aus ihrer Sicht belegen sie, wie erfolgreich die Polizei gerade im Frankfurter Bahnhofsviertel agiert. Im Oktober hatte dort eine neue Einheit mit 124 Polizisten die Arbeit aufgenommen. Mehr Kontrollen bedeuten mehr aufgedeckte Straftaten – so erklären sich die Verantwortlichen die gestiegenen Zahlen.

Innenminister Beuth zeigte sich insgesamt erfreut, als er am Donnerstag in Wiesbaden die Kriminalitätsstatistik für 2017 vorstellte. Die Zahl der erfassten Straftaten war mit rund 375 000 so niedrig wie nie in den vergangenen Jahrzehnten, die Quote der aufgeklärten Delikte mit 62,8 Prozent höher als je zuvor. Es sei „landesweit gelungen, Kriminalität erfolgreich zu bekämpfen und messbar zurückzudrängen“, konstatierte Minister Beuth.

Dabei stellte er zwei Formen von Straftaten heraus, die für die Opfer besonders belastend seien: Wohnungseinbrüche und Straßenkriminalität, wozu etwa der Taschendiebstahl zählt. In beiden Bereichen ist die Zahl der Delikte in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Die Einbrüche gingen gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent zurück, die Straßenkriminalität um etwa sieben Prozent.

Beuth hob hervor, dass Einbrecher immer häufiger scheiterten. In der Hälfte der Fälle bleibe es beim versuchten Einbruch – vor 20 Jahren war das lediglich ein Drittel gewesen. Das bedeute, dass die Präventionsarbeit der hessischen Polizei wirke und die Menschen ihre eigenen vier Wände mittlerweile besser sicherten.

Außerdem habe sich positiv ausgewirkt, dass Hessen allen Polizisten ein Verfahren namens „KLB operativ“ (Kriminalitätslagebild operativ) als App zur Verfügung stelle. Darauf werden Viertel angezeigt, in denen verstärkt mit Einbrüchen gerechnet werden muss, weil Banden kurz davor in der Nähe gesichtet wurden. Das habe „zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchs in Hessen erfolgreich beigetragen“, befand die Polizei.

Mehr Kinder als Tatverdächtige

Mit Blick auf die Straßenkriminalität verwies der Minister auf die Notwendigkeit von Videoüberwachung, die zur Aufklärung beitragen könne und dazu, dass manche Täter von ihrem Vorhaben abließen. Inzwischen hingen 148 Kameras der Polizei in 16 hessischen Städten.

Aus der Statistik gehen auch negative Entwicklungen hervor. So stieg die Zahl der Körperverletzungen erneut an auf nun 32 000 Fälle. Im Jahr 2016 waren es noch rund 30 700 gewesen, vor zehn Jahren sogar nur 19 000. Bei Morden und anderen Straftaten gegen das Leben gab es einen leichten Anstieg um acht Fälle auf 336. Ebenfalls gestiegen sind die Verstöße gegen das Waffengesetz (plus 12,3 Prozent auf knapp 4300 Fälle).

Mit der Zahl der Straftaten sank die der Tatverdächtigen um mehr als 20 000 auf rund 158 000. Gerade vor diesem Hintergrund fällt auf, dass 2017 rund zehn Prozent mehr Kinder als Tatverdächtige geführt wurden als noch im Jahr 2016. Ihre Anzahl stieg von knapp 3500 auf rund 3850 an. Eine Erklärung für diese Entwicklung hatten die Polizeiverantwortlichen nicht parat.

Der Anstieg an Körperverletzungen

Auch die Opposition bewertete den Rückgang der Kriminalität positiv. Ihre Abgeordneten kamen aber zu dem Schluss, dies sei ein Erfolg der Polizei und nicht der schwarz-grünen Regierungspolitik.

„Der Minister setzt eine ungute schwarz-grüne Tradition fort, indem er sich laut und ausführlich für Erfolge feiern lässt, zu denen er selbst am wenigsten beigetragen hat“, urteilte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser. Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus sprach von einer „Selbstbeweihräucherung des Ministers“.

Mit Sorge betrachten Oppositionspolitiker den Anstieg an Körperverletzungen. „Dazu hätte ich von Minister Beuth gerne etwas Substanzielles gehört – das kam aber nicht“, bedauerte Faeser. FDP-Innenpolitiker Wolfgang Greilich stieß ins gleiche Horn: „Dies ist eine Entwicklung, der entschieden begegnet werden muss.“

Faeser sprach sich dafür aus, dass Polizisten besser ausgerüstet werden müssten. Greilich warb dafür, Verwaltungsassistenten für die Polizei auszubilden, um die Beamten im Außeneinsatz entlasten zu können.

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