Lade Inhalte...

Kinderpornografie Anklagebank statt Darknet

Die vier Drahtzieher der Kinderpornografie-Plattform „Elysium“ müssen sich verantworten. Zwei Verantwortliche der Plattform „TGE“ wurden in den USA zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.

Kinderpornografie-Plattform
Die vier Drahtzieher der Plattform „Elysium“ müssen sich vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Zehn Monate nach der Enttarnung eines Kinderpornorings hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen die Drahtzieher erhoben. Die vier Angeschuldigten im Alter zwischen 40 und 62 Jahren sollen die Plattform „Elysium“ im sogenannten Darknet betrieben haben. Ein 40-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg soll den Server bereitgestellt und in dem Forum als Moderator gearbeitet haben. Den Männern, die sich voraussichtlich ab Spätsommer vor dem Landgericht Limburg verantworten müssen, werde die bandenmäßige Verbreitung kinderpornografischer Schriften vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Frankfurter Zentralstelle für Internetkriminalität (ZIT) hatten die Enttarnung im Juli 2017 als großen Erfolg gefeiert. Ihren Ermittlungserfolg hatten die Beamten in einer eigens anberaumten Pressekonferenz in Wiesbaden präsentiert. Etwa 87.000 Nutzerdaten waren den Ermittlern in die Hände gefallen, nachdem sie einen der Drahtzieher im Juni 2017 in Westhessen dingfest gemacht hatten. In der Anklage ist nun sogar von über 111.000 Nutzerdaten die Rede. „Allerdings hatte mancher Beschuldigte bis zu sechs Accounts“, so Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der ZIT.

Die Präsentation hatte einen schaurigen Einblick in die Szene des Kinderpornoring eröffnet. Von Männern, die ihre eigenen Kinder für den sexuellen Missbrauch Dritter hergeben oder Forenbereichen namens „Babies & Toddlers“, in denen Bild- und Videoaufnahmen vom Missbrauch von Kleinkindern im Alter bis zu vier Jahren bereitgestellt wurden.

Auch in Deutschland gab es schon Verurteilungen

Neben dem 40-Jährigen aus Limburg zählt ein 58-Jähriger aus dem Landkreis Tübingen zu den Drahtziehern. Er soll die Plattform programmiert und auf dem Server des Limburgers eingerichtet haben. Zuvor hatte der 58-Jährige laut den Ermittlungen bereits eine führende Rolle bei der kinderpornografischen Plattform „The Giftbox Exchange“ (TGE) gespielt, die von den USA aus betrieben wurde und über 67.000 Mitglieder hatte. Als die Plattform im Dezember 2016 aufflog, initiierten die beiden Männer aus Schwaben und Westhessen die Plattform „Elysium“ im Darknet. Jener nur mit spezieller Software zugängige Bereich ist vor dem Zugriff der Ermittler eigentlich geschützt, doch der Limburger hatte einen Fehler gemacht und eine technische Datenspur hinterlassen, die von BKA-Spezialisten verfolgt werden konnte.

Neben den beiden Männern sollen auch noch ein 47-Jähriger aus dem Main-Tauber-Kreis und ein 62-Jähriger aus dem Landkreis Landsberg/Lech in Limburg auf der Anklagebank sitzen. Den 62-Jährigen dürfte nach Einschätzung der Ermittler die höchste Haftstrafe erwarten. Ihm wird der schwere sexuelle Missbrauch der vier und sechs Jahre alten Kinder des mitbeschuldigten Österreichers vorgeworfen. Die österreichischen Behörden waren übrigens schneller als die deutschen: Jener 29-Jährige, der nicht nur seinen eigenen vierjährigen Sohn und die sechsjährige Tochter mehrfach missbrauchte, sondern auch anderen Gleichgesinnten zur Verfügung stellte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Zwei weitere Mitbeschuldigte müssen für zwölf und sieben Jahre hinter Gitter.

Auch in Deutschland gab es schon Verurteilungen. Ein 48-Jähriger aus Friedberg, der auf der Vorgänger-Plattform TGE aktiv war und im Zuge der „Elysium“-Ermittlungen geschnappt wurde, ist wegen Kindesmissbrauchs vom Amtsgericht Friedberg im vergangenen Sommer zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Die Drahtzieher der TGE-Plattform, zwei US-Amerikaner, wurden von heimischen Gerichten zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt.

Viele Ermittlungen zu „Elysium“, die durch die Vorarbeit des BKA ihren Anfang nahmen, laufen derzeit noch. Einen Überblick, wie viele der Nutzer tatsächlich angeklagt werden, hat die ZIT nicht. „Die Ermittlungen laufen weltweit auf jedem Kontinent“, sagt Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen