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Kapitalverbrechen Fallstricke eines Auftragsmords

Killer bieten im Darknet ihre Dienste an mit ungewissem Ausgang.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Auf der Anklagebank des Landgerichts Mannheim sitzt derzeit ein Mann, der laut Staatsanwaltschaft seine Frau durch einen Auftragsmord beseitigen lassen wollte. Doch der 71-Jährige war an den Falschen geraten. Er hatte einen Bekannten um den „Gefallen“ gebeten, der allerdings ein V-Mann der Polizei war. 40 000 Euro soll der 71-Jährige bereit gewesen sein zu zahlen. Der vermeintliche Auftragskiller, den ihm sein Bekannter vermittelte, war freilich ein verdeckter Ermittler.

Fälle wie dieser zeigen, welche Fallstricke ein Auftragsmord mit sich bringen kann. Sie gelten nicht zuletzt deswegen als eher selten. Wobei Zahlen und Fakten dazu schwer zu finden sind. Die profundeste Untersuchung dazu stammt von Wissenschaftlern des Kriminologischen Instituts der Universität Birmingham aus dem Jahr 2014. Die Forscher werteten mit Hilfe von Pressearchiven Auftragsmorde aus den Jahren 1974 bis 2013 aus, glichen diese mit Gerichtsakten ab und interviewten rechtmäßig verurteilte Täter. In den 39 Jahren waren nur 35 Fälle zweifelsfrei auf einen Auftragsmord zurückzuführen, wobei die Wissenschaftler einräumten, dass die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch sei, da ein perfekter Auftragsmord eben gar nicht als Mord zu erkennen ist.

Der Durchschnittspreis für die Tötung eines Menschen lag demnach bei 18 400 Euro. Die Bandbreite ging aber von 240 bis 120 000 Euro. Die Gründe für einen Auftragsmord beschreiben die Wissenschaftler als „deprimierend banal“. Streit zwischen Lebenspartnern, wie in dem Mannheimer Fall, gescheiterte Geschäfte oder Banden, die Eindruck schinden wollen.

Der renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer hält Auftragsmorde für eher selten, weil das Anheuern mit einem großen Mitwisser-Risiko verbunden sei. Im Darknet, einem speziell abgeschotteten Bereich des Internets, wäre die Anonymität für einen solchen Auftrag gegeben. In bestimmten Netzwerken bieten auch tatsächlich Auftragskiller ihre Dienste an. Jedoch ist fraglich, ob die angebotenen Dienstleistungen echt sind, oder ob die User nicht einfach provozieren wollen. Ob es ein Anbieter ernst meint, weiß der Auftraggeber erst hinterher.

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