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Justiz Seniorin wehrt sich gegen Trickbetrüger

In Frankfurt stehen Vertreter eines Clans vor Gericht, der als Erfinder des „Enkeltricks“ gilt. Zuletzt lief es nicht allzu gut für die Trickdiebe.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Wenn es eine gute Nachricht vom gestrigen Verhandlungstag am Amtsgericht gibt, dann die: Frankfurts Senioren werden zunehmend vorsichtiger.

Das erste Indiz dafür liefert am Vormittag Daliano G. Der 26-Jährige gehört zu einem der beiden in Frankfurt justizbekannten Familienclans, die sich darauf spezialisiert haben, alte Menschen auszuplündern. Im Januar 2017 hatte er drei Mal mit einer EC-Karte, die zwei „Cousinen“ zuvor einer 90-Jährigen mit dem „Zettel-Trick“ abgeluchst hatten, jeweils kurz nach Mitternacht das Tageslimit von 1000 Euro abgehoben – und sich dabei schlampig maskiert.

Im September scheiterte er aber bei dem Versuch, gemeinsam mit seinem Verwandten Valentino L. bei einer 95-Jährigen „die Fernsehkabel zu überprüfen“ – die alte Dame war bereits zwei Mal Opfer ähnlicher Trickdiebe geworden und jagte die beiden lautstark zum Teufel, die daraufhin ohne Beute mit dem Mercedes davonfahren mussten.

Valentino L. gehört ebenso wie G.s Ehefrau Venetia L. zu einem Clan, der als Erfinder des „Enkeltricks“ gilt. Die Anführer leben in Polen und sind steinreich. Nur wenige Tage später scheiterte G. auch mit dem Versuch, eine 100-Jährige als „Handwerker“ auszunehmen. Die war nämlich bereits am Vortag auf ähnliche Art beklaut und aus Schaden klug geworden und zeterte G. und seinen Komplizen in die Flucht.

Auf Senioren spezialisierter Clan

Es tue ihm unendlich leid, sagt Daliano G., der weiß Gott nicht zum ersten Mal vor Gericht sitzt, aber bislang maximal Geldstrafen kassiert hat, er werde es nie wieder tun und sich in Zukunft redlich von Hartz IV und Kindergeld (drei Kinder) ernähren, er bitte „um eine letzte Chance“, aber das Gericht hat die Nase voll und verurteilt ihn zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung.

Am Nachmittag steht dann der 27 Jahre alte Mike K. ebenfalls wegen versuchten Diebstahls vor dem Amtsgericht. K. gehört dem anderen in Frankfurt auf Senioren spezialisierten Clan an, dessen Familienzentrale in Rumänien ebenfalls nicht am Hungertuch nagt. Im Oktober 2016 trieb er es mit seinem „Schwager“ Mike A. ganz besonders bunt: Die beiden klingelten bei einer 89-Jährigen, die erst kurz zuvor von K.s entfernter Verwandtschaft um ihren Schmuck gebracht worden war. 

Die beiden gaben sich als Polizeibeamte aus: Ihr Schmuck sei wieder da, sagten sie der Frau, sie müsse nur noch die Tür öffnen und ein Formular unterschreiben und schon erhalte sie das Geschmeide zurück. Doch die Frau hatte dazugelernt, ließ nicht einmal die Kette von der Tür und brüllte die Betrüger weg.

Es tue ihm unendlich leid, sagt Mike K., er habe so etwas zuvor noch nie gemacht und werde es nie wieder tun und sich in Zukunft redlich von Hartz IV und Kindergeld (vier) ernähren. Da hat er aber die Rechnung ohne seinen Schwager gemacht. Mike A., 28 Jahre alt, hat so etwas nämlich schon öfter gemacht (19 Mal) und sitzt darum derzeit eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten ab. Und würde sich offenbar über langfristigen Verwandtenbesuch freuen.

Jedenfalls beschuldigt der aus dem Gefängnis vorgeführte Zeuge – nachdem er sich zuvor die mündliche Erlaubnis zweier sehr dicker Männer im Zuschauersaal eingeholt hat – plötzlich seinen Schwager, mindestens vier Mal mit von der Partie gewesen zu sein, wenn es mal wieder galt, Greise auszuplündern. Der Prozess wird daraufhin ausgesetzt, aber Mike K. wird sich demnächst erneut auf der Anklagebank des Amtsgerichts wiederfinden – mit einer deutlich umfangreicheren Anklage.

Opfer waren am Montag nicht als Zeugen geladen. Zum einen waren die Angeklagten ja weitgehend geständig. Zum anderen sind die meisten Opfer nach Meinung des Gerichts zu alt und krank für die Strapazen. Aber immerhin nicht völlig wehrlos.

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