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Hintergrund Wettbüros im Zwielicht

Wettbüros haben einen schlechten Ruf – teils zu Recht. Die FR beantwortet Fragen.

Wettbüros in Hessen
Unternehmen wie Bet3000, Happybet oder Tipico unterhalten vor allem in Großstädten Wettbüros. (Symbolbild) Foto: Monika Müller

Wettbüros sind entweder selbst kriminelle Einrichtungen oder ziehen Kriminelle an – stimmt dieses bei vielen Menschen verbreitete Bild?
Nein. Zunächst einmal muss man trennen zwischen Wettbüros mit und ohne Lizenz. Letztere sind illegal und werden oft in Hinterzimmern von Cafés, teils auch nur für wenige Tage, betrieben. Wer dort spielt, geht ein großes Risiko ein, denn Gewinne lassen sich – wenn überhaupt – nur sehr schwer einklagen. Entsprechende Einrichtungen finden Menschen, die nicht im Zockermilieu unterwegs sind oder ganz konkret danach suchen, aber in der Regel gar nicht.

Wie viele lizensierte Anbieter gibt es?
Von den Hinterzimmern unterscheiden muss man die etwa 2000 Wettbüros in Deutschland, deren Anbieter eine Lizenz haben – meist aus Malta und/oder Schleswig-Holstein, wo der Umgang mit Sportwetten zunächst freizügiger war als in anderen Bundesländern. Damit ausgestattet dürfen sie auf den deutschen Markt. Zwar hatte das Land Hessen mit einem besonderen Verfahren versucht, den Wildwuchs von Anbietern zu regulieren. So wurden von 2016 an sogenannte Duldungen ausgesprochen, angestrebt waren Konzessionen für 20 Anbieter. Der Verwaltungsgerichtshof kippte die Regelung aber.

Wer bietet – legale – Sportwetten an?
Unternehmen wie Bet3000, Happybet oder Tipico unterhalten vor allem in Großstädten Wettbüros, in denen man auf alle Sportereignisse setzen kann, die auch auf den Internetseiten der Buchmacher zur Auswahl stehen. Der Umsatz, den die Anbieter weltweit erzielen, ist enorm. Finanzexperten rechnen mit bis zu zwei Billionen Euro im Jahr.

Aber wenn man von daheim aus im Internet Wetten zu denselben Konditionen platzieren kann – wer geht dann in solche Büros?
Männer, fast ausschließlich Männer. Der Frauenanteil liegt in vielen Wettstuben bei null Prozent. Die Kunden suchen zum einen die Geselligkeit, wollen fachsimpeln oder sind mit der Tippabgabe im Internet schlicht überfordert. Weiterer Vorteil: In der Regel kann man sich das gewonnene Geld direkt auszahlen lassen. Außerdem werden fast alle Sportereignisse live übertragen. So schauen etwa auch Fußball-Fans, die nur geringes Interesse an Wetten haben, in derartigen Einrichtungen Bundesliga-Spiele.

Was ist denn dann das Problem an Wettbüros?
Die Politik sorgt sich vor allem um den Schutz der Spieler. Wettsüchtige können in den Büros in kurzer Zeit viel Geld verlieren. Zwar sind die Anbieter von Sportwetten verpflichtet, sich am bundesweiten System zu beteiligen, mit dem sich Spielsüchtige sperren lassen können. Doch wer das nicht will, kann sich um Haus und Hof spielen. Außerdem ist der Jugendschutz immer wieder Thema. Und die Klientel in manchen Einrichtungen ist eben zumindest zwielichtig.

Heißt konkret?
Anwohner beschweren sich regelmäßig über Wettbüros. Vor der Tür stünden bis spät in die Nacht Männergruppen und machten Lärm. Zudem werde vor manchen Läden mit Drogen gedealt. Regelmäßig gibt es auch Drogenrazzien der Polizei in Wettbüros. Vorige Woche etwa nahmen die Beamten in Aachen sieben Männer fest, die über Monate hinweg im Umfeld eines Wettbüros gedealt hatten. Und manchmal werden auch die Zocker rabiat. Ein besonders krasser Fall ereignete sich 2014 in Hamburg. Ein Spieler glaubte, er habe durch richtige Tipps auf Fußballspiele in Südamerika 100 000 Euro gewonnen. Das Unternehmen erklärte jedoch, bei dem zunächst gutgeschriebenen Gewinn handle es sich um einen Buchungsfehler. Das machte den Mann so sauer, dass er mit einer Axt und einem Stahlrohr ins Wettbüro stürmte und 33 Bildschirme und Spielautomaten kurz und klein schlug.

In dem Fall, der nun in Frankfurt verhandelt wird, geht es um Mord. Sind Wettbüros oft Schauplätze von Schwerkriminalität?
Mord und Totschlag sind auch in der Umgebung von Wettbüros krasse Ausnahmefälle. Tatsache ist aber, dass in manchen Einrichtungen die Organisierte Kriminalität ihr Unwesen treibt – wovon die normalen Kunden aber in der Regel nichts mitbekommen. Besonders eignet sich das Milieu für Geldwäsche. Stark vereinfacht kann man sagen: Schmutziges Geld, das aus kriminellen Machenschaften stammt, wird über Mittelsmänner gesetzt. Sofern die Wetten gewonnen werden, kommt das Geld (mit einer oft sehr geringen Gewinnzu

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