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Hells Angels Waffen für den Bruderkrieg

Ein «Hells Angels»-Rocker ist vom Amtsgericht zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dem Mann werden unerlaubter Waffenbesitz und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels. Foto: dpa

Nach eigenen Angaben ist Jürgen F. „im Büro tätig“ und verdient „etwa 800 Euro netto im Monat“. Der 47 Jahre alte gelernte Werkzeugmacher muss sich vor dem Amtsgericht wegen illegalen Waffenbesitzes und Urkundenfälschung verantworten. Es dauert eine geschlagene halbe Stunde, bis in dem Prozess erstmals die Hells Angels erwähnt werden.

Der Prozess ist ein Spin-Off der Schießerei vor dem Club Katana im Japan-Center Anfang Juli 2014, bei der vier Rocker verwundet worden waren. Jürgen F., genannt „Fips“, war zumindest einer der Schützen. Er war noch im Juli vergangenen Jahres unter dem Verdacht des versuchten Totschlags verhaftet worden und saß mehrere Wochen in U-Haft. Die Ermittlungen ergaben aber, dass F. in Notwehr gehandelt habe.

Was bleibt, sind die Waffen, die bei ihm gefunden wurden: eine halbautomatische Pistole und eine Pumpgun sowie ein österreichischer Ausweis und ein Führerschein, die auf den Namen „Dominik Kluge“ ausgestellt waren.

Jürgen F. verfolgt die Verhandlung mit entspannter Gelassenheit. Er trägt Flickenjeans und ein schwarzes Polo-Shirt, das den Blick freigibt auf seine bis zu den Knöcheln tätowierten Arme, und – in den Verhandlungspausen – eine Baseballkappe mit dem mittlerweile wieder erlaubten Hells-Angels-Logo. Sein Teint vermittelt nicht den Eindruck, als würde er bis spätabends im Büro hocken. Zur Sache äußert er sich nicht, das ist bei Rockern Tradition.

Das Reden besorgt sein Anwalt. Joachim Bremer gehört zu der Sorte Anwalt, für die man bei 800 Euro Monatsverdienst ganz schön lange malochen muss. Aber er ist sein Geld zweifellos wert. Er gibt den illegalen Waffenbesitz unumwunden zu. Und er schafft es, die Hells Angels mit keinem Wort zu erwähnen. Die Schießerei vor dem Katana ist für ihn „eine Auseinandersetzung zwischen Frankfurt und Gießen“, obwohl das Verhältnis der beiden Städte eigentlich ganz entspannt ist. Die etwa 40 Hells Angels aus Gießen, die es den Frankfurtern damals heimzahlen wollten, nennt er „kräftig gebaute Herren, die keine Cola trinken wollten“, was ja nicht falsch ist. „Fips, du Votze, wir kriegen dich“, habe der Anführer der Angreifer, der abtrünnige Aygün M., damals gebrüllt.

Hintergrund der Schießerei war ein Streit um die Tür des mittlerweile geschlossenen Clubs Katana: Die Türsteher dort gehörten zu M.s Klientel, das sich mit den Frankfurter „Traditionalisten“, zu denen F. zählt, damals im offenen Clinch befand. Seinem Mandanten sei seitens der Polizei in einer „Gefährdetenansprache“ geraten worden, möglichst oft Auto und Wohnort zu wechseln sowie sich mit einer schusssicheren Weste zu schützen, die Gießener um M. müsse man in ihrem Furor „durchaus ernst nehmen“. Die falschen Ausweise, sagt Bremer, hätten der Tarnung beim Einchecken in Hotels gedient, die Waffen der Selbstverteidigung.

Jürgen F. wird schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss die Kosten des Verfahrens tragen und eine Geldbuße von 2000 Euro Amnesty International zahlen. Auf dem Kerbholz hat er bislang die rockertypischen Delikte: Fahren im Suff, Fahren ohne Führerschein, Nötigung im Straßenverkehr, Verstoß gegen das Waffengesetz, Drogenbesitz und gefährliche Körperverletzung. Der Rocker nimmt das Urteil mit äußerster Gelassenheit auf. Er kann jetzt wieder zurück ins Büro.

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