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Hanau Verteidiger fordern Freispruch

Im Prozess um die Schüsse durch die Haustür, mit denen der 53-jährige Jürgen V. am 7. September 2013 in Hanau getötet wurde, bestreiten die Angeklagten eine Tatbeteiligung.

Als Lutz H. seine letzten Worte spricht, geht ein empörtes Raunen durch den Zuschauersaal, und die Nebenkläger schütteln den Kopf. Es tue ihm „sehr, sehr leid“ für die Familie, sagt er. falls Falls sie Hilfe brauche, werde man ihr selbstverständlich zur Seite stehen. Die Tat habe er weder begangen noch sei er dafür verantwortlich, erklärt der Angeklagte klar und selbstsicher. Und jemanden zu übervorteilen, liege ihm grundsätzlich fern.

Auch die Mitangeklagte Banu D., seine frühere Lebensgefährtin, weist vor dem Landgericht Hanau den Mordvorwurf zurück und sagt aufgeregt, es tue ihr leid für die Frau von Jürgen V. und deren vier Kinder. Für sie selbst sei die Zeit in der U-Haft mit der Trennung von ihren Kindern „die schlimmste meines Lebens“.

Im Prozess um die Schüsse durch die Haustür, mit denen der 53-jährige Jürgen V. am 7. September 2013 in Hanau getötet wurde, haben die Angeklagten am Montag eine Tatbeteiligung bestritten. Sowohl die Verteidiger von Banu D. als auch jene von Lutz H., dem Schwager des Ermordeten, beantragten Freispruch. Zuvor hatten Staatsanwaltschaft und Nebenkläger – Ulrike V. und die Kinder – lebenslange Haft für H. und D. gefordert. Sie sind nach der Beweisaufnahme in dem komplizierten Fall, der seit fast zwei Jahren verhandelt wird, überzeugt, dass die Verdächtigen V. heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordeten. H. habe den Mord geplant und die Waffe bereitgestellt, D. geschossen.

Erbstreit als Motiv?

Staatsanwalt Mathias Pleuser und die Nebenklage stützen sich unter anderem darauf, dass H. einem verdeckten Ermittler die Tatwaffe verkaufte und ihm sagte, er sei „instrumentativ beteiligt“ gewesen. Als Motiv sehen sie einen Erbstreit zwischen Lutz H. und Ulrike V., in dem sich Jürgen V. engagierte. Eine bevorstehende Verhandlung in dem Streit hätte H.s Hochstapelei – er gab etwa vor, Arzt zu sein – auffliegen lassen und die Existenz von H. und Banu D. sowie deren gemeinsame Zukunft gefährdet. D. war, wie Handydaten belegen, vor dem Mord in Hanau – um die Gegend auszukundschaften, so die Staatsanwaltschaft. Nachdem sie am 7. September 2013 mit ihrem Auto einen Unfall gebaut hatte, habe sie sich von ihrem Verehrer Cengiz G. in die Nähe des Hauses der Familie V. fahren lassen, habe Jürgen V. getötet und sei danach mit G. ausgegangen.

Nach Ansicht von D.s Verteidigern Torsten Fuchs und Axel Küster ist der Erbstreit ein mögliches Motiv für H., da seine Scheinwelt einzustürzen drohte. Ihre Mandantin hingegen habe kein Motiv, auch weil sie über größere Geldsummen und Immobilien verfüge. Zudem habe H. gesagt, er habe einen Mann instruiert. D. wäre als ausführende Komplizin demnach ohnehin nicht infrage gekommen, sie sei zu schusselig, zu redselig, keine eiskalte Mörderin, sondern eine sich aufopfernde Mutter,

H., der alles kontrollieren wolle, wäre das Risiko mit ihr nicht eingegangen. Noch abwegiger, so Fuchs, sei die Vorstellung, dass D. nach langer Planung plötzlich und ohne Absprache mit H., Cengiz G. als Fahrer einbindet. Vielmehr sei das Treffen ihr Alibi.

Lutz H.s Anwälte kritisierten, die Ermittler hätten H. nur überführen wollen und entlastende Punkte ignoriert, so Andreas von Dahlen. Von einer angeblichen Demaskierung im Zuge des Erbstreits habe H. nicht gewusst. Die etwa 40 000 Euro, um die es ging, hätten seine Existenz nicht bedroht. Eine Feindschaft mit V. habe es schon deshalb nicht gegeben, weil sie seit vielen Jahren keinen Kontakt gehabt hätten.

H. sei am Tattag nicht in Hanau gewesen, habe nicht geschossen. Und für eine Mittäterschaft brauche es einen gemeinsamen Tatplan – auch hierfür gebe es keine objektiven Anhaltspunkte. Dass H. Banu D. die Waffe gegeben haben solle, sei ebenfalls eine bloße Behauptung. D. wiederum sei nicht so harmlos, wie sie sich gebe. Schließlich habe sie sich in Gesprächen als „Wächterin der Waffen“ bezeichnet und Tötungsphantasien geäußert, auch in Zusammenhang mit Jürgen V.

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