Lade Inhalte...

Großrazzia in Rhein-Main Mitglieder eines Familienclans festgenommen

2. UpdateSeit dem frühen Morgen geht die Polizei im Rhein-Main-Gebiet mit rund 1000 Einsatzkräften gegen Schwarzarbeit auf dem Bau vor. Vier Mitglieder eines Familienclans werden festgenommen. Sie sollen die Drahtzieher sein.

Großrazzia im Rhein-Main-Gebiet
Ein Bargeldspürhund erschnüffelt bei der Großrazzia in einem der durchsuchten Objekte Geld. Foto: Hauptzollamt Gießen

Mit rund 1000 Einsatzkräften sind Zoll und Polizei deutschlandweit  gegen Schwarzarbeit auf dem Bau vorgegangen. Der Schwerpunkt der Großrazzia lag im Rhein-Main-Gebiet.  Ein Familienclan serbischen Ursprungs soll Hunderte von ausländischen Arbeitern auf Baustellen in Deutschland illegal beschäftigt haben. Vier Familienmitglieder sind verhaftet worden. Sie gelten als Drahtzieher.

Durch den bundesweiten Einsatz, der unter dem Decknamen „Midas“ geführt wurde, sei es gelungen, ein illegales Netzwerk von Bau- und Scheinfirmen zu zerschlagen, berichtete eine Sprecherin des zuständigen Hauptzollamts Gießen am Donnerstag. Der Einsatz dauerte nach ihren Angaben vom frühen Morgen bis in die Mittagsstunden. Es gehe um Steuerhinterziehung und Betrug in Millionenhöhe. Bei der Festnahme von zwei Clan-Mitgliedern waren Spezialeinsatzkommandos der Bundespolizei im Einsatz, bei den übrigen zwei Spezialeinheiten des Zollkriminalamtes. Dies sei aufgrund einer besonderen Gefährdungslage und drohender Verdunkelungsgefahr geschehen, berichtete die Sprecherin weiter.

Bei den vier Festgenommenen, gegen die bereits Haftbefehle vorlagen, handelt es sich um das Familienoberhaupt des Clans und Kopf der Bande, einen 53-Jährigen mit bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit, seinen 29 Jahre alten Sohn,  einen 40-jährigen Verwandten mit serbischer Staatsangehörigkeit sowie einen 37-jährigen Serben. Darüber hinaus seien acht weitere dem Täterkreis zugeordnete Personen erkennungsdienstlich behandelt worden, berichtete die Sprecherin. Gegen mehr als 120 der mutmaßlich illegal Beschäftigten seien Ermittlungen wegen des illegalen Aufenthalts in Deutschland eingeleitet worden. Einige Arbeiter seien außerdem als Zeugen vernommen worden.

Der Schwerpunkt der landesweiten Großrazzia lag im Rhein-Main-Gebiet.  Auch in vier weiteren Bundesländern gab es Durchsuchungen. Wie die Sprecherin sagte, wurden auch in Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Bayern, speziell in München, Razzien gemacht. Insgesamt seien 54 Objekte, darunter Geschäftsräume, Wohnungen und ein Hotel, durchsucht worden.

Im Rhein-Main-Gebiet konzentrierten sich die Einsätze auf Maintal  (Main-Kinzig-Kreis), Frankfurt, Offenbach, Bad Nauheim und Idstein. In Frankfurt wurde der Hauptsitz von zwei beschuldigten Baufirmen durchsucht, in Maintal ein Hotel und ein Wohnhaus,  in dem Schwarzarbeiter untergebracht worden sein sollen.

In dem Hotel in Maintal trafen die Ermittler insgesamt 260 Personen an. Darunter sollen sich 22 Beschäftigte des Familienclans befunden haben, die für die Werkvertragsfirma tätig gewesen sein sollen. Die Landespolizei, so die Sprecherin, habe in dem Hotel die Dokumente von insgesamt 47 Personen überprüft. Zehn Personen seien danach wegen des Verdachts ausländerrechtlicher Verstöße sowie Urkundenfläschung und Verstöße gegen das Waffengesetz festgenommen worden.

Hunde erschnüffeln Bargeld

Der beschuldigte Familienclan soll neben zwei Baufirmen auch ein Geflecht von Scheinfirmen betrieben haben, um für die eigenen Unternehmen, aber auch für Firmen Dritter mit sogenannten Schein- und  Abdeckrechnungen in Höhe von insgesamt mehr als 70 Millionen Euro Schwarzgeld zu generieren. Damit sollen die eingesetzten Schwarzarbeiter bezahlt worden sein.

In den letzten vier Jahren soll der Clan zudem als Nachunternehmer Bauaufträge für mehr als 50 Millionen Euro überwiegend auf Großbaustellen in Hessen mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt und so den Sozialkassen und dem Fiskus Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Millionenhöhe vorenthalten haben. Darüber hinaus sollen die beiden Frankfurter Baufirmen Praktika an vermeintliche Studenten vergeben haben. Diese hätten so auf dem Bau arbeiten können, so die Sprecherin. Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen handelte es sich um ein Konstrukt, mit dem Aufenthaltstitel erschlichen worden seien. 

Der Familienclan soll sich darüber hinaus einer kriminellen Bande von Vermittlern bedient haben, die überwiegend aus Serbien stammende Arbeiter über slowenische Baufirmen mit mutmaßlich gefälschten oder zu Unrecht ausgestellten Papieren  nach Deutschland geschleust hat.

Bei der Großrazzia sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, so die Sprecherin, darunter Computer und Mobiltelefone. Der Zoll und die Polizei setzten auch  Bargeldspürhunde  ein, die in mehreren Objekten nach verstecktem Geld suchten. In einer Wohnung erschnüffelte ein Hund 120.000 Euro. Das Geld war zum Teil zusammen mit einer Schreckschusswaffe in einem Sofa versteckt. Insgesamt seien mehr als 160.000 Euro Bargeld sowie zwei Waffen sichergestellt worden, berichtete die Sprecherin.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen