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Landgericht Frankfurt Prozess um tödliche Gibson-Schlägerei

Ein Streit im „Gibson“ endet mit einer brutaler Prügelei. Einer der Beteiligten stirbt wenig später an seinen Kopfverletzungen. Vor Gericht leugnet einer der Angreifer, den tödlichen Schlag geführt zu haben.

Der Angeklagte Murat Ö. beim Auftakt des Prozesses mit einem Anwalt. Foto: Andreas Arnold

Es geht an diesem Freitagmorgen am Landgericht, so sehr die Sicherheitsvorkehrungen das auch nahelegen mögen, nicht um Mord oder Totschlag. Es geht um gefährliche Körperverletzung, Beteiligung an einer Schlägerei – und Körperverletzung mit Todesfolge. Und es geht um die rockerähnlichen „Osmanen“, die sich selbst gern als „Boxklub“ bezeichnen.

Murat Ö., 39, Sertan O., 26, und Jonas S., 31 Jahre alt, waren am frühen Morgen des 24. Mai 2015 bei einer Party im Klub „Gibson“ mit zwei anderen Gästen in Streit geraten. Beide wurden niedergeschlagen. Einer der Kontrahenten, ein 41 Jahre alter Mann, starb kurz darauf im Krankenhaus an einer Gehirnblutung. Den tödlichen Schlag soll Murat Ö. geführt haben.

Ursprünglich war gegen die drei Angeklagten, die allesamt der Türsteherszene entstammen, wegen Totschlags ermittelt worden. Doch auch wenn sämtliche Angeklagten gut austrainierte Schläger sind, so handelt es sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um eine eher herkömmliche Wirtshausschlägerei mit ungewollt tragischem Ausgang – sämtliche Beteiligten waren betrunken.

Murat Ö. leugnet, das Opfer geschlagen zu haben. Im Gegenteil – er habe dem Mann zuvor bei einer anderen Schlägerei geholfen. Wer geschlagen habe, könne er nicht sagen. Sertan O. und Jonas S. geben zu, den Begleiter des Erschlagenen verprügelt zu haben. Auch sie wollen nicht gesehen haben, wer den tödlichen Schlag tat.

Sowohl Murat Ö. als auch Sertan O. sind beziehungsweise waren Mitglieder der „Osmanen“. Vor Gericht sprechen die Angeklagten lediglich vom „Boxklub“. Die „Osmanen“ gelten als eine Art Zweitligisten der Hells Angels – ohne Motorrad, mit meist türkischem Migrationshintergrund. Mit der Tat hat die sehr schlampig als Boxklub getarnte Organisation nichts zu tun. Aber vermutlich umso mehr mit dem Nachtatgeschehen.

Unmittelbar nach der Schlägerei war das Trio damals noch ins „Cookies“ gezogen, um dort weiterzusaufen. Doch tags darauf traf man sich zu einer Osmanen-Gartenparty in Sprendlingen. Dort war die tödliche Schlägerei das beherrschende Thema. Und Sertan O. und Jonas S. behaupten, die anderen „Boxer“ hätten sie dazu gedrängt, die Schuld auf sich zu nehmen. Murat Ö., dessen Ehefrau kurz zuvor gestorben war und der eine todkranke Tochter hat, sei ja schon gestraft genug.

Jonas S., der ohnehin nie Osmane, sondern nach eigenen Angaben „mit dem Boxklub befreundet“ war, bekam daraufhin erst recht Muffensausen und stellte sich der Polizei. Und Sertan O. trat einfach aus. Nicht aus Angst – „Angst habe ich nur vor dem lieben Gott!“, sondern wegen der Erkenntnis, dass „das gar kein Boxklub ist. Die haben versucht, uns die Schuld zuzuschieben!“

Es sei sehr wohl ein Boxklub, sagt Murat Ö. Er selbst sei aber nur „ein paarmal dagewesen – das kann man an drei Händen abzählen“. Und mitboxen habe er auch nicht können, wegen seiner krummen Wirbelsäule, wegen der er schon die Lehre habe abbrechen müssen. Man boxe dort. Sonst nichts. Ansonsten möchte er „über den Boxklub keine Angaben machen“. So wie auch die Mitangeklagten. Ein paar der „Boxer“ sitzen im Zuschauerraum.

Dass der Osmane als solcher mit der Staatsmacht zusammenarbeitet oder Kollegen ans Messer liefert, ist eher ungewöhnlich. Murat Ö. macht da mal eine Ausnahme.

Anfang dieser Woche hatte Ö., wie am Freitag nicht nur zum Entsetzen seines Anwalts bekannt wurde, bei der Polizei angerufen und vorgeschlagen, er könne sich ja mit Sertan O. treffen, gerne auch verkabelt, und so die Ermittler mit wichtigen Erkenntnissen versorgen, die der Wahrheitsfindung dienen könnten – ein Angebot, das Polizei und Gericht aus rechtlichen Bedenken dankend abgelehnt hatten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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