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Darmstadt Homosexueller Nigerianer war „ausreisepflichtig“

Das Regierungspräsidium Gießen nimmt Stellung zu der gescheiterten Abschiebung. Der Pilot des Linienflugs verhinderte die Abschiebung des homosexuellen Nigerianers, der nicht freiwillig mitfliegen wollte.

Regierungspräsidium Gießen
Laut Regierungspräsidium Gießen sei der Nigerianer „ausreisepflichtig“ – trotz staatlicher Repressalien gegen Homosexuelle in Nigeria. Foto: imago

Der Verein Vielbunt will mit Hilfe eines Rechtsanwalts erreichen, dass zwei homosexuelle Nigerianer doch in Darmstadt bleiben können. Das hat der Vereinsvorsitzende Stefan Kräh auf Anfrage der FR mitgeteilt. Einer der beiden 23-Jährigen sollte, wie berichtet, am Montag voriger Woche nach Italien abgeschoben werden. Der Abschiebeversuch scheiterte jedoch an der Weigerung des Piloten einer Linienmaschine, den Mann mitzunehmen, nachdem der Nigerianer laut gerufen hatte, dass er nicht freiwillig mitfliege. Daher mussten die Polizisten den Mann wieder nach Darmstadt zurückbringen.

Inzwischen hat auch das zuständige Regierungspräsidium Gießen zu dem Fall Stellung bezogen. Der stellvertretende Behördensprecher Thorsten Haas teilte mit, der Nigerianer sollte „nach den Regeln des Dublin-Abkommens nach Italien überstellt werden“. Nach dem Übereinkommen muss der Staat, in den Asylbewerber nachweislich zuerst einreisen, das Asylverfahren aufnehmen. Laut dem Sprecher war der Nigerianer nach „Ausschöpfung des Rechtsweges vollziehbar ausreisepflichtig“.

Nigeria wegen Homophobie verlassen

Nach Auskunft Krähs hatten sich die beiden schwulen Männer vor einigen Monaten wegen der extrem homophoben Haltung der nigerianischen Gesellschaft dazu entschlossen, ihr Heimatland zu verlassen. Via Italien flüchtete das Paar nach Deutschland.

Von einer Partnerschaft zwischen den beiden Männern will das Regierungspräsidium „keine Kenntnis“ gehabt haben. Nach Informationen der FR ist in der Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt aber durchaus bekannt, dass die beiden Nigerianer, die auch in einem Zimmer wohnen, ein Paar sind. Laut dem Behördensprecher wurde dem Nigerianer das Aufenthaltspapier abgenommen, weil seine Duldung „erloschen“ und das Dokument somit nicht mehr gültig sei. Das Dokument soll jedoch nach Informationen der FR noch bis zum 5. April gültig gewesen sein.

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