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Gericht Prozess gegen mutmaßlichen Extremisten eröffnet

1. UpdateEin junger Mann aus Somalia muss sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation verantworten.

Justitia
Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv

Der 21 bis 23 Jahre alte Somalier Abduqaadir A. – die Altersschwankung resultiert aus dessen eigenen widersprüchlichen Angaben – muss sich seit Dienstag vor dem 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Beihilfe zum Mord sowie versuchten Mordes verantworten.

Die Generalbundesanwaltschaft wirft ihm vor, sich spätestens im Mai 2012 der somalischen Terrormiliz Al-Shabab angeschlossen zu haben. Die Terroristen hätten ihn und andere Kinder und Jugendliche auf einem Bolzplatz in Mogadischu geschnappt und zum Zwecke der Blitzradikalisierung zu regelmäßigen Moscheebesuchen überredet. Kurz darauf soll er einem erfahrenen Terroristen dabei geholfen haben, einen Gegner in einer Moschee während des Gebets mit drei Kopfschüssen zu ermorden. Der Veteran soll laut A. für den erfolgreichen Mord ein Auto als Belohnung bekommen haben. Ihm und zwei ebenfalls minderjährigen Helfern sei für einen eigenen Mord auch ein Auto versprochen worden.

Aus dem Auto wurde nichts. Zwar sei er zwei Monate später beauftragt worden, einen Vertreter der somalischen Regierung zu ermorden, habe es aber trotz vier Schüssen aus drei Metern Distanz lediglich geschafft, dass Opfer zu verletzen, worauf er von seinen enttäuschten Vorgesetzten inhaftiert worden sei. Bei einem Angriff auf das Terrorlager habe er fliehen können. Über Italien sei er nach Deutschland gereist, wo er derzeit eine Ausbildung als Fliesenleger mache.

So sagt es jedenfalls die Anklage, die weitestgehend auf den Aussagen basiert, die A. selbst dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gemacht hatte. Von derlei Auskunftsfreude ist am ersten Verhandlungstag nicht mehr viel zu spüren. Möglicherweise auf Anraten seiner beiden Verteidiger sagt A. nun eigentlich gar nichts mehr. Das Spektakulärste, was ihm der Senat entlocken kann, ist die Klage darüber, dass es in dem Lager in Lampedusa, in dem er auf seiner Flucht monatelang habe ausharren müssen, ständig Spaghetti gegeben habe.

Lediglich zu seiner Person macht A. am ersten Verhandlungstag ein paar Angaben. Seit seiner Ankunft in Deutschland habe er den Hauptschulabschluss gemacht und auch recht brauchbares Deutsch gelernt. Den Beweis dafür bleibt er schuldig – der aufmunternde Versuch des Vorsitzenden Richters Thomas Sagebiel, es zumindest mal kurz mit der Kommunikation auf Deutsch zu versuchen, verpufft an rigoroser Weigerung.

Der Prozess wird fortgesetzt. 

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