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Gericht in Frankfurt Mord wird zu Totschlag

Im Prozess gegen Ousseini O. fällt am 30. August ein Urteil. Ousseini O. hat seine Frau erschlagen und dann versucht seinem Leben mit einem Sprung von der Kaufhof-Dachterrasse in Frankfurt ein Ende zu setzen.

Römerberg in Frankfurt
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Angeklagt war er ursprünglich wegen Mordes. Wenn aber Ousseini O. heute vom Landgericht verurteilt wird, dann höchstwahrscheinlich wegen Totschlags an seiner Ehefrau Claudia. Diese hatte Ousseini O. im Oktober vergangenen Jahres mit einem Beil erschlagen, danach hatte er vergeblich versucht, seinem eigenen Leben mit einem Sprung von der Dachterrasse des Kaufhofs an der Hauptwache ein Ende zu setzen.

Die Staatsanwaltschaft folgte in ihrem Plädoyer dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen. Denn obwohl Ousseini O. bereits Monate vor der Tat Mordphantasien gegenüber seiner Ehefrau gehabt und diese nicht nur Freunden erzählt, sondern sie auch niedergeschrieben hatte, ging der Gutachter von einer Affekttat aus. Eigentlich habe der Täter seine Mordphantasien kurz vor der Tat aufgegeben gehabt, doch ein morgendlicher Streit mit seiner Frau, die sich von ihm trennen und ihm seiner Meinung nach die drei gemeinsamen Kinder wegnehmen wollte, habe alles noch einmal hochgespült.

Dem schloss sich nun auch die Anklage an. Die Tat war nach ihrer Überzeugung nicht geplant. Ein Indiz dafür sei, dass O. seine Frau erschlagen habe, während die Kinder noch im Haus geschlafen hätten. Sämtliche Zeugen hatten zuvor berichtet, dass O. seine Kinder geradezu vergöttert habe. Hätte er die Tat geplant, so hätte er einen Zeitpunkt gewählt, in dem die Kinder außer Haus gewesen wären. Die Staatsanwaltschaft sieht mittlerweile keines der drei klassischen Mordmerkmale – niedere Beweggründe, besondere Grausamkeit oder Verdeckung einer Straftat – erfüllt. Als Strafmaß für den Totschlag fordert sie eine Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren.

Kindern nach der Tat heiße Milch gemacht

Wenig überraschend schloss sich auch O.s Verteidigung dieser Sicht der Dinge an. Freilich plädierte sie auf ein wesentlich milderes Strafmaß, ohne dabei aber konkret zu werden. Lediglich die beiden Vertreter der Nebenklage, die die Familie des Opfers und die drei gemeinsamen Kinder vertreten, halten die Tat weiterhin für kaltblütigen Mord. Dafür spreche auch O.s Verhalten nach der Tat: Er hatte die Kinder danach noch in ihre Schulen und Kindergärten gebracht, ihnen heiße Milch gemacht und sie geschickt am Körper der zu diesem Zeitpunkt bereits toten oder zumindest sterbenden Mutter vorbeibugsiert.

In einem von Selbstmitleid nicht freien Letzten Wort sprache O. erneut von einer „unentschuldbaren Tat“. Er habe seine drei Kinder zu „Dreiviertel-Vollwaisen“ gemacht und die Frau, die er einst geliebt habe, getötet. Im seinem Schlusswort nannte er das Opfer, über das er während des gesamten Prozesses kein sonderlich gutes Wort gefunden hatte, erstmals bei ihrem Kosenamen: „meine Leipziger Lerche“. Er sitze nun „mittellos, schwerbehindert und einsam“ im Gefängnis, wolle aber zumindest seinen Kindern so gut es irgend gehe weiterhin ein guter Vater sein.

Im Gefängnis, sagt O., habe er sich verändert. Und neue Stärke im Glauben gefunden. „Möge ihre Seele bei Gott ruhen“, wünschte sich O. zum Verhandlungsende, „und möge Gott mir verzeihen“. Erst sind aber die weltlichen Richter an der Reihe: Die Kammer unter dem Vorsitz von Volker Kaiser-Klan will ihr Urteil heute um 11 Uhr bekanntgeben.

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