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FSV Frankfurt - SV Wehen Wiesbaden „Bornheim-Schweine“-Transparent vor Gericht

Ein Banner von Fans des SV Wehen-Wiesbaden am FSV-Stadion und seine Geschichte vor dem Amtsgericht. Dort muss sich SVW-Fan für seine „Schnappsidee“ verantworten.

FSV Frankfurt - SV Wehen Wiesbaden
Die Mutter aller Derbys: Der FSV Frankfurt gegen den SV Wehen Wiesbaden (Archivbild). Die Emotionen kochten schon vor dem Duell der hessischen Vereine über. Beinahe. Foto: imago

Ich bin ein ganz normaler Fan des SV Wehen Wiesbaden“, sagt der 24 Jahre alte Christoph van D. Um aber auf der Anklagebank des Frankfurter Amtsgerichts zu landen, muss schon noch so etwas wie eine „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ dazukommen.

In einer Dezembernacht befestigten D. und ein paar Kumpels am FSV-Stadion Bornheimer Hang ein Riesentransparent mit der Aufschrift „17.12. Bornheim-Schweine erhängen“, um damit auf das Derby FSV Frankfurt – SV Wehen am 17. Dezember aufmerksam zu machen. Das Transparent hing dort für Stunden gut sichtbar und störte den öffentlichen Frieden.

„Schnappsidee“ entstand auf Konzert von Rapper Frauenarzt

Das sei wohl eine Schnapsidee gewesen, räumt D. ein. Auf diese sei er während eines Besuchs beim Frauenarzt gekommen. Ein Rapper dieses Namens habe nämlich an jenem Abend ein Konzert in der Frankfurter Batschkapp gegeben, da seien auch ein paar Wiesbadener gewesen, und gemeinsam sei man auf die so glorreiche wie spontane Idee gekommen, mal eben kurz ein Transparent von zehn Metern Breite zu gestalten und dieses am nahen FSV-Stadion aufzuhängen.

„Ich wusste gar nicht, dass das so eine große Straftat ist“, das sei doch eher „Derby-Alltag“, wäscht D. seine Hände in Unschuld. Zu spät: In der Tatnacht war er mit so viel Enthusiasmus dabei, dass er mit frischer Farbe und seinen Fingern der Polizei quasi eine Einladung zur Hausdurchsuchung auf das Transparent gedruckt hatte.

Diese Hausdurchsuchung führte zu einem Handy, und gespeicherte Nachrichten schüren den Verdacht, dass die Idee doch nicht ganz so spontan gewesen war. „Alder, lass uns mal Sex-Puppe kaufen und mit Strick vors Stadion hängen, ey, lass uns echt mal machen, Alder“, schlägt D. dort seinen Kumpels, darunter ein gewisser Ratten-Schmitti, vor. Oder wenigstens ein Transparent hängen. Es spricht für D., dass er seine Kumpels nicht verpfeifen will. Schmittis Identität bleibt unklar.

Kein Schwein wurde erhängt

Das Verfahren wird schließlich eingestellt. Zum einen ist beim Derby damals kein Schwein erhängt worden. Zum anderen will man dem jungen Mann, der im letzten Semester Biologie liegt und einen Job in Aussicht hat, die Zukunft nicht verbauen. Das wäre schnell passiert, denn D. ist erst kürzlich wegen Körperverletzung zu 40 Tagessätzen verurteilt worden. Er hatte, sagt er, „einem Regensburger Fan den Schal abgezogen“, der habe hinterher eine „leichte Rötung am Hals gehabt“.

D. muss 1000 Euro an die Hessische Gesellschaft für Ornithologie zahlen. Die hat zwar nichts mit Fußball zu tun, aber mit Vögeln. Und ist daher gewiss auch im Sinne des Rappers Frauenarzt, der in seinem Lied „Feuchte Träume“ übrigens auch ein mögliches Tatmotiv liefert: „Mein Sack, der drückt, und meine Eier tun weh, die Gehirnzellen betäubt, so dass ich nix versteh“. Und außerdem ist der Adler ja auch das Wappentier des FSV.

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