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Frauenleiche im Niddapark Mutmaßlicher Mörder schweigt weiter

1. UpdateGing es um Geld? Um Eifersucht? Nach der Festnahme im Niddapark-Mord schweigt der Tatverdächtige. Die Ermittler suchen nach einem Motiv.

Mord im Niddapark
Der Tatort im Volkspark Niddatal: Ein Spaziergänger hatte dort einen Frauenleiche entdeckt. Foto: Rolf Oeser

Der Beschuldigte schweigt. Vor dem Haftrichter hat Jan M. nichts gesagt. Daher ist derzeit noch unklar, aus welchem Grund der 50-Jährige seine Bekannte Irina A. auf so bestialische Weise umgebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus Habgier aus. „Er soll bei dem Opfer Schulden im unteren fünfstelligen Bereich gehabt haben“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der FR am Montag. Zudem hätten bei der 29-Jährigen der Schmuck und ihr Smartphone gefehlt. Beides ist bei M. aber nicht gefunden worden und fehlt bislang genauso wie die Tatwaffe, vermutlich ein Messer.

Jan M. und Irina A. hatten sich nach den Erkenntnissen der Polizei am Dienstagabend im Niddapark getroffen und waren dort spazieren gegangen. Worüber sie sich unterhielten und woran sich dann der Streit entzündet hatte, ist unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass M. das Messer bei dem Spaziergang dabei hatte. Während der Auseinandersetzung soll M. seine Begleiterin laut Polizei „mit einer Vielzahl von Messerstichen“ getötet haben. Anschließend zog er sie in eine angrenzende Wiese, wo sie am Mittwochmorgen von einem Spaziergänger gefunden wurde. Das Opfer dürfte sich gewehrt haben.

Festgenommen in der Fressgass´

Denn M. ließ am Tatort auch eigenes Blut zurück, das ihn schließlich überführte. Bei einer ersten Befragung hatte er angegeben, zur Tatzeit zu Hause gewesen zu sein, was seine Frau bestätigte. Doch nach der Auswertung der Handydaten und dem Treffer beim Abgleich des Blutes war das falsche Alibi nichts mehr wert. Am Freitagnachmittag war M. in der Fressgass´ festgenommen worden.

Der Familienvater und die zweifache Mutter A. kannten sich seit längerem. In der Bar „First In“, die M. auf der Fressgass´ betrieb, hatte A. zunächst als Bedienung gearbeitet und war später als Teilhaberin eingestiegen. Im vergangenen Jahr soll M. die Bar verkauft haben, sie soll nicht allzu gut gelaufen sein. In die Schlagzeilen kam die Bar, genauso wie Tatverdächtiger und Opfer, Anfang 2017, als sich M. dazu entschloss, eine Lügengeschichte zu initiieren, um Ausländer zu diskreditieren. In seiner Bar habe es in der Silvesternacht einen regelrechten Sex-Mob gegeben, ähnlich wie auf der Kölner Domplatte.

Als Zeugin dieser vermeintlichen Übergriffe wurde Irina A, präsentiert. Doch die Sache flog auf und fiel sowohl M. als auch A. auf die Füße. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Vortäuschung einer Straftat. Die beiden sollten sich deswegen am 8. Juni vor dem Amtsgericht verantworten. Gut möglich, dass es bei dem Treffen am vergangenen Dienstag an einem eher abgelegenen Ort auch darum ging, das Vorgehen auf der Anklagebank abzustimmen.

Ob es das Verfahren am 8. Juni nun geben wird, war am Montag offen. Die Staatsanwaltschaft könnte den Antrag stellen, das Verfahren einzustellen, da die zu erwartende Strafe aus einer Anklage wegen Mordes deutlich schwerer wiegt als die wegen Vortäuschung einer Straftat.

Bis es aber zu einer Verhandlung kommen kann, haben die Ermittler noch reichlich Arbeit. Nicht zuletzt, wenn die Anklagebehörde das Mordmotiv Habgier aufrecht erhalten will. Denn ob der Familienvater für einen niedrigen fünfstelligen Betrag und Schmuck tatsächlich einen grausamen Mord begeht, erscheint zumindest fraglich. Die Ermittler der Mordkommission werden daher in den kommenden Wochen vor allem die Vermögensverhältnisse des Mannes unter die Lupe nehmen, der nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre als Investmentbanker anfing und zuletzt als Gastronom Beteiligungen an Bars und einem Irish Pub hatte. Noch unklar ist auch, inwieweit er an Immobiliengeschäften beteiligt war. In diesem Zusammenhang wird die Polizei auch die Vermögensverhältnisses der Opfers beleuchten, die zumindest formal Geschäftsführerin eines Immobilienunternehmens war.

Ungeachtet dessen war die Festnahme nur zwei Tage nach dem Fund der Leiche für die Polizei ein schneller Fahndungserfolg. Die Tötung im Niddapark passt zumindest statistisch ins Bild: Immer häufiger werden Gewaltdelikte in Frankfurt mit einem Messer verübt und die Aufklärungsquote bei Morddelikten lag 2016 und 2017 bei 100 Prozent.

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