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Frankfurt/Main Keine nachträgliche Sicherungsverwahrung nach Missbrauch

Sechs Jahre nach seiner Verurteilung zu acht Jahren Haft wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs muss ein Mann nicht noch in Sicherungsverwahrung. Das entschied das Landgericht Frankfurt.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Einem 58 Jahre alten Mann, der seine zwei Stieftöchter massiv sexuell missbraucht hatte, bleibt die Sicherungsverwahrung erspart. Die Jugendschwurgerichtskammer hatte ihn 2012 zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt und die anschließende Sicherungsverwahrung vorbehalten. Diese müsse nicht mehr verhängt werden, urteilte das Landgericht am Freitag und schloss sich damit auch der Meinung der Staatsanwaltschaft an.

Der damalige Prozess hatte selbst hartgesottene Beobachter an ihre Grenzen getrieben. Der Mann hatte begonnen, sich an den beiden Töchtern seiner damaligen Lebensgefährtin zu vergehen, als diese sechs beziehungsweise vier Jahre alt waren. Anfangs befummelte er sie beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichten, später zwang er sie, mit ihm zusammen Pornos anzugucken – und Szenen aus den Filmen nachzuspielen. Der Missbrauch erstreckte sich über Jahre und fand seinen Höhepunkt, als die jüngere Tochter, die sexuelle Favoritin des Stiefvaters, kurz vor ihrer Volljährigkeit stand.

Die Mutter der Kinder befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Psychiatrie. Sie war – möglicherweise aus guten Gründen – mit dem Messer auf ihren Lebensgefährten losgegangen. Mit der Drohung, er werde dafür sorgen, dass die Mutter nie wieder entlassen werde, brachte er das Mädchen dazu, einen „Sex-Vertrag“ zu unterschreiben, in dem selbst die krudesten Perversionen detailliert festgelegt wurden. Als „Gegenleistung“ versorgte er sein Opfer mit Zigarettengeld und einem Laptop. „Ich erziehe dich zu einer geilen Tochter“, hatte er seiner Stieftochter gedroht, die sowohl im damaligen als auch im jetzigen Prozess als Nebenklägerin auftrat.

„Sex-Vertrag“ auf dem PC

Es war dieser „Sex-Vertrag“, der den Täter letztlich überführte. Die Ermittler waren auf seine Spur gekommen, weil er beim Tausch von Kinderpornobildern im Internet zu wenig Vorsicht walten ließ. Der auf seinem Computer gespeicherte Vertrag beseitigte dann jegliche Zweifel. Bereits im ersten Prozess hatte der Mann sich reuig gegeben und gesagt, er wolle sich im Gefängnis therapieren lassen. Zumindest das hat er in einem Maße getan, das das Gericht nun anerkennen musste. Während der Haft hatte der Mann, der nie einen Antrag auf vorzeitige Entlassung gestellt hatte, jede Therapie bereitwillig und nach Ansicht der Therapeuten auch erfolgreich mitgemacht.

In seinem letzten Wort beteuerte er am Freitagmittag, er „bereue es sehr“, was er seinen Stieftöchtern angetan habe, und er werde so etwas mit Sicherheit „nie mehr machen“. Das Landgericht sah keinen Grund, an der Aussage zu zweifeln.

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