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Fall Wevelsiep Teilfreispruch im Fall Wevelsiep

In einem Berufungsverfahren spricht das Landgericht Frankfurt einen Polizisten von dem Vorwurf der Körperverletzung an dem Deutsch-Äthiopier Derege Wevelsiep frei.

Erleichtert: Polizist Matthew S. zwischen seinen Verteidigern Hauschild (links) und Karras. Foto: peter-juelich.com

Das Berufungsverfahren gegen den in erster Instanz wegen Körperverletzung im Amt und Beleidigung verurteilten Polizeibeamten Matthew S. ist am Dienstag am Landgericht Frankfurt mit einem Teilfreispruch zu Ende gegangen. Das Gericht sah es zwar als erwiesen an, dass S. den Nebenkläger Derege Wevelsiep nach einer eskalierten Fahrkartenkontrolle im Oktober 2012 als „Dummschwätzer“ beleidigt hat. Unter Anwendung des Rechtssatzes „in dubio pro reo“ sei der Angeklagte aber vom Tatvorwurf der Körperverletzung im Amt freizusprechen. Für die Beleidigung werde Matthew S. zu einer Geldstrafe von zwanzig Tagessätzen à 70 Euro verurteilt, so die Vorsitzende Richterin Beate Menhofer-Woitaschek.

Die Frankfurter Rundschau hatte den Fall im Herbst 2012 öffentlich gemacht und damit eine breite Debatte über Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst. Der schwarze Deutsche Wevelsiep hatte angegeben, von Matthew S. im Anschluss an eine eskalierte Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte misshandelt worden zu sein.

Vier VGF-Kontrolleure hätten seine Verlobte fälschlicherweise bezichtigt, ohne gültige Fahrkarte unterwegs zu sein. Eine Kontrolleurin hatte vor Gericht zugegeben, gegenüber dem Deutsch-Äthiopier den Satz „Wir sind hier nicht in Afrika“ fallengelassen zu haben, woraufhin Wevelsiep gekontert habe, man sei nicht mehr im Jahr 1942. Da die Kontrolleurin den Ingenieur wegen Beleidigung anzeigen wollte, hatten die hinzugerufenen vier Polizeibeamten Wevelsiep gefesselt zu seiner Wohnung gefahren, um dort seine Personalien festzustellen. Laut Wevelsiep habe Polizist S. ihn im Zuge des Fesselungsvorgangs ins Gesicht geschlagen und später in die Seite und gegen das Knie gestoßen. Zudem habe er ihn vor seiner Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Matthew S. hatte dies bestritten und die Kopfwunde Wevelsieps auf ein Anstoßen beim Einsteigen in den Streifenwagen zurückgeführt.

Richterin Menhofer-Woitaschek sagte in ihrer Urteilsbegründung, der Freispruch bedeute nicht, dass die 10. Strafkammer überzeugt sei, dass Wevelsiep gelogen habe. Ausschlaggebend sei das am Ende der Beweisaufnahme vorgetragene Gutachten des rechtsmedizinischen Sachverständigen Mattias Kettner, das mehrere Schlussfolgerungen zulasse.

Im Sinne der Unschuldsvermutung sei die für den Angeklagten günstigere Variante anzunehmen. Sie habe aber „erhebliche Zweifel an der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahme, insbesondere der Fesselung Wevelsieps, sagte Menhofer-Woitaschek – dies sei jedoch nicht Gegenstand des Strafverfahrens.

Kettner hatte dargelegt, dass ein Großteil der in der Klinik diagnostizierten Verletzungen Wevelsieps rechtsmedizinisch nicht „objektivierbar“ sei. Unzweifelhaft sei lediglich eine oberflächliche, relativ kleine „Quetschrisswunde“ an der linken Augenbraue Wevelsieps. Als Ursache denkbar seien sowohl „ein Schlag von geringer Intensität“ als auch ein Kantenanstoß, wobei Letzterer aufgrund fehlender Schwellungen wahrscheinlicher sei.

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