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Fall Susanna Trauer und Angst vor Hetze

In Mainz und Wiesbaden sitzt der Schock tief und die Nervosität wächst.

Todesfall Susanna
Die provisorische Gedenkstätte in Wiesbaden. Foto: dpa

Der gewaltsame Tod der 14-jährigen Susanna F. hat die Stadt Mainz nach Angaben von Oberbürgermeister Michael Ebling aufgewühlt. „Ihr Tod schmerzt uns sehr und die Umstände der schrecklichen Tat machen uns wütend“, teilt er mit. „Ich wünsche mir, dass die Ermittlungen dazu führen, dass der oder die Täter mit der Strenge des Gesetzes zu Rechenschaft gezogen werden.“ 

Mit einer Schweigeminute haben am Freitag Schüler und Lehrer der Gesamtschule Mainz-Bretzenheim, in der Susanna F. die achte Klasse besuchte, der Getöteten gedacht. Mitarbeiter des schulpsychologischen Diensts betreuen die schockierten Schüler, ist in der Schule zu erfahren; es gibt eine Trauerecke, wo Kerzen aufgestellt werden können. Im Gästebuch auf der Homepage der jüdischen Gemeinde in Mainz, zu der die Familie des Mädchens gehört, drücken Menschen ihr Mitgefühl aus. Gemeinderabbiner Aharon Ran Vernikovsky hatte schon am Donnerstag die Medien gebeten, die Privatsphäre der Familie zu respektieren. Ein Aufruf für die Beerdigungskosten kursiert auf Youtube. 

Der Mordfall Susanna F. bewegt auch die Menschen, die sie nicht kannten. Auf dem Vorplatz des Wiesbadener Kulturzentrums Schlachthof, wo das Mädchen Zeit verbracht haben soll, wissen die jungen Leute von dem Verbrechen. Das heißt, so genau wissen sie es nicht, aber „auf Facebook, da geht’s jetzt richtig ab“, erzählt ein Mann. „Ich habe Angst, dass es zu Hass auf Flüchtlinge kommt“, sagt Marcel Münch, 21. Die anderen nicken. Eine andere Gruppe hat die Ereignisse genau verfolgt. „Man wird feinfühliger, aufmerksamer“, sagt Anna Vormbaum, 18, „wichtig ist, den Täter nach der Tat und nicht nach der Nationalität zu beurteilen.“ 

Polizei bewacht Asylheim

Danach sieht es nicht aus. Nervosität ist spürbar, dass nun Flüchtlinge angegriffen werden könnten. Die Asylunterkunft im Kreuzberger Ring in Erbenheim, wo der Verdächtige Iraker Ali B. wohnte, wird von einer Polizeistreife bewacht. Die Stadt Wiesbaden hat einen weiteren Hausmeister eingestellt, „damit rund um die Uhr nach dem Rechten gesehen wird“, sagt Sozialdezernent Christoph Manjura. 

Am Donnerstagabend finden sich 20 Männer und Frauen mit Blumen und Kerzen dort ein. „Von welcher Lügenpresse seid ihr denn?“, schallt es herüber. Sie ziehen zu einem Kreuz an der Autobahnbrücke, über die Susanna gegangen sein muss, bevor sie umgebracht wurde. Auch sie kannten Susanna F. nicht persönlich. „Alle, die 2015 kamen, müssen wieder raus“, ruft eine Frau. Andere meinen, die Erbenheimer könnten sich wegen der Flüchtlinge nicht mehr auf die Straße trauen, es komme zu Übergriffen - ein Vorwurf, den die Polizei bis zum Freitag nicht bestätigen konnte. 

 Das Wiesbadener Jugendparlament zeigt sich erschüttert, verurteilt aber die Hetze und fordert Zurückhaltung im Netz. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Rheinhessen lädt zum stillen Gedenken ein und hofft, dass das offene Miteinander nicht leide. Bei der Stadt Mainz wurden indes im Zusammenhang mit dem Fall zwei Demonstrationen angemeldet: eine Trauerkundgebung und die Mahnwache „Kandel ist überall“. Möglich ist, dass eine zuvor angemeldete Demonstration der Gruppe „Beweg was“ (vormals „Merkel muss weg“) sich den Mord zunutze macht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mordfall Susanna

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