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Fall Johanna Johanna wohl nicht im Kofferraum erstickt

Die Todesursache im Fall Johanna lässt sich fast zwanzig Jahre nach der Tat nicht mehr genau klären. Doch klar ist, das Kind kann nicht im Kofferraum des Autos des mutmaßlichen Täters erstickt sein.

13.06.2018 14:48
Auftakt Mordprozess Johanna Bohnacker
Der Angeklagte im Prozess um den Tod der kleinen Johanna sitzt in Handschellen auf der Anklagebank. Foto: Boris Roessler (dpa)

Rechtsmediziner haben nach dem Fund von Johannas Leiche nicht mehr die genaue Todesursache feststellen können. Wegen des Zustands ihrer sterblichen Überreste hätten dazu keine Aussagen gemacht werden können, sagte eine Gutachterin am Mittwoch vor dem Landgericht Gießen. Es seien nur noch einzelne Knochen vorhanden gewesen. Die Staatsanwaltschaft geht aber aufgrund ihrer Ermittlungsergebnisse davon aus, dass das Kind erstickte.

Angeklagt ist ein 42-jähriger Deutscher aus Friedrichsdorf, der im September 1999 die damals Achtjährige aus Ranstadt in der Wetterau in sein Auto gezerrt, missbraucht und ermordet haben soll. Der Mann stellt den Tod des Mädchens als Unfall dar - Johanna sei im Kofferraum gestorben. Ihre Leiche wurde erst im April 2000 in einem Waldstück bei Alsfeld gefunden.

Das Kind hätte in dem Kofferraum nicht einfach so ersticken können, sagte ein weiterer Gutachter. Er hatte einen Versuch mit einem baugleichen Auto durchgeführt, das der Angeklagte zur Tatzeit gefahren hatte. Dafür habe sich eine Polizistin für zwei Stunden in den Kofferraum gelegt, überwacht von Medizinern. Doch angesichts diverser Ritzen und anderer kleiner Öffnungen sei rasch klar gewesen: „In diesem Kofferraum kann man nicht ersticken.

Angeklagter will Johanna auf Nase geschlagen haben

Das Gericht muss in dem Prozess auch klären, ob vielleicht ein Schlag auf die Nase zum Erstickungstod des Kindes führte. Der Angeklagte will dem Mädchen einen Nasenstüber verpasst haben. Den Mund des Kindes hatte er dick mit Klebeband umwickelt. So stellt sich für das Gericht die Frage, ob die Nase durch den Schlag zugeschwollen sein könnte und Johanna dadurch unter Luftnot litt.

Die Sachverständigen konnten nicht ausschließen, dass es zu einer Schwellung gekommen ist. Klar sei aber auch: Ein Schlag mit der flachen Hand könne nicht zu einer gravierenden Verletzung wie einen Bruch des Nasenbeins führen. Eine solche Verletzung hatten die Rechtsmediziner bei der Obduktion von Johannas Leiche auch nicht festgestellt. Der Prozess wird fortgesetzt. (dpa)

 

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