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Ermordete Garderobenfrau Urteil gegen „Lasermann“ erwartet

John Ausonius soll vor 26 Jahren in Frankfurt eine Garderobenfrau erschossen haben. Heute soll das Urteil gegen den sogenannten „Lasermann“ fallen.

Mordprozess gegen "Lasermann"
Sieht sich selbst „nicht mehr“ als Mörder: John Ausonius. Foto: dpa

Einen Tag nach diesem Vorfall wird Blanka Zmigrod erschossen. Der Täter lässt den teuren Schmuck des Opfers unberührt, entwendet nur ihre Handtasche – weil er darin den Taschenrechner vermutet, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. 16 Stunden nach der Tat erwirbt Ausonius am Flughafen Amsterdam einen neuen Taschencomputer, obwohl er seinen bereits seit mehr als zwei Wochen vermisst. Anschließend reist er mit einem Pass, den er zuvor einem Arbeitslosen in Dresden abgekauft hat, nach Südafrika. Eine übereilte Flucht, so stellt es die Staatsanwaltschaft dar.

Das stärkste Indiz bleibt die bei dem Mord verwendete Munition: ein verkupfertes Hohlspitzgeschoss der US-Firma CCI. Die gleiche Munition wurde später bei Ausonius’ Festnahme gefunden. Laut Gutachten wurde diese aus einer Schusswaffe des Kalibers 6,35 Millimeter Browning abgefeuert. Auch Ausonius hat wohl so eine Waffe besessen, will sie aber in Frankfurt verkauft haben. „Die Frage, die sich letztlich jeder stellen kann, lautet: Wie viele Zufälle können tatsächlich noch Zufall sein?“, erklärt Staatsanwältin Böttinger,

Die Version der Staasanwaltschaft ist konsistent. Konsistenter als alles, was in der mündlichen Verhandlung zu vernehmen war. Die wenigen Augenzeugen konnten sich, sofern sie überhaupt erschienen, nur noch bruchstückhaft an die damaligen Ereignisse erinnern. Die Ermittler, die in den 90er Jahren mit dem Fall betraut waren, mussten sich auf die Akten von damals berufen.

„An der Beweislage seit 1993 hat sich nichts geändert“, resümiert Ausonius’ Verteidiger Joachim Bremer in seinem Plädoyer. Neun Prozesstage lang hat der erfahrene Strafverteidiger durch teils pedantische, teils ironische Befragung der Zeugen jedes Indiz in diesem Prozess auseinandergenommen. Die verwendete Munition? Nicht eindeutig seinem Mandanten zuzuordnen. Ein Interview, in dem Ausonius den Streit mit Zmigrod eingeräumt, den Mord aber bestritten hatte? In dieser Form nicht geführt. Die Identifizierung seines Mandanten durch Zmigrods Vorgesetzte? Unzureichend. Alles in allem könne die Staatsanwaltschaft keine „lückenlose Indizienkette“ präsentieren. Sein Mandant sei daher freizusprechen.

Es bleibt ein Prozess, der viele Fragen offenlässt. Zu viele vielleicht. Ist Ausonius die Tat zuzutrauen? Mit Sicherheit. Ein psychologischer Gutachter hatte ihm eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ bescheinigt. Dazu zählten „paranoide Persönlichkeitsanteile“, wie sie sich in Ausonisus’ Verdacht gegen Zmigrod geäußert haben könnten. Ebenso habe er bereits vor seiner kriminellen Karriere ein ausgesprochen „jähzorniges Verhalten“ gezeigt. Der Mord im Westen könnte also eine Kurzschlussreaktion gewesen sein.

Andererseits ging Ausonius bei seinen Anschlägen in Schweden planvoll und berechnend vor. Er habe zwar auch Hass auf Migranten verspürt, hatte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses erklärt, aber mit den Anschlägen in erster Linie die schwedische Polizei von seinen Bankrauben ablenken wollen. Zumal er damals damit rechnete, für einen Mord nicht viel länger im Gefängnis sitzen zu müssen als für einen Bankraub. Würde so jemand, wenn er sich auf der Flucht befindet, riskieren, durch einen Mord zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

Letztlich wird auch das Gericht diese Fragen nicht beantworten können. Das Urteil wird am heutigen Mittwoch verkündet. Ausonius selbst gibt sich mittlerweile geläutert, hat seine Verbrechen – derer er allerdings schon überführt war – Ende der 90er Jahre bereits vollumfänglich eingestanden.

Sein Urteil über sich selbst steht bereits fest. Sein Verteidiger fasst es wie folgt zusammen: „Er sieht ein: Er war ein Mörder. Er ist heute keiner mehr.“

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