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Drogenhandel 950 Kilo Koks verdealt

Vor dem Landgericht Frankfurt beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Helfer eines Kartells. Der Angeklagte ist bei der Frankfurter Justiz kein Unbekannter.

Symbolfoto Gericht
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: Sascha Rheker

Die Anklage hat es in sich. Seit Mittwoch muss sich der 40 Jahre alte Sawas V. wegen Beihilfe zum Drogenhandel verantworten. Er soll einer Bande von international agierenden Kokainhändlern im Jahr 2012 geholfen haben – durch die Bereitstellung von Räumen, darunter auch seine Wohnung, durch die Organisation von Kurierdiensten und nicht zuletzt dadurch, dass er dabei half, das Drogengeld zu waschen, indem er es in Immobilien, Gastronomie und Wettbüros investierte. Es geht um enorme Summen: Knapp 950 Kilo Koks soll die Bande verkauft haben, zu Kilopreisen von mindestens 30.000 Euro.

Sawas V. ist bei der Frankfurter Justiz kein Unbekannter. Bereits seit Beginn dieses Jahres sitzt er als einer von fünf Angeklagten in einem Prozess vor der Wirtschaftskammer, bei dem es vor allem um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe geht. Dort spielt V. zwar eine wichtige Neben-, aber keine Hauptrolle. Die spielen der Arzt und umstrittene Immobilienspekulant Emanuel L. sowie der Geschäftsmann Said M. Emanuel L. war das Aushängeschild und der Türöffner, Said M. der vermutliche Kopf eines undurchdringlichen Firmengeflechts mit Briefkastensitz in Kriftel, das in wenigen Jahren in Frankfurt und Umgebung Immobilien im Wert von mehr als 320 Millionen Euro aufgekauft hatte. Noch aus der U-Haft heraus hatten die Angeklagten versucht, ihren Immobilienbesitz per Zeitungsannonce zu verkaufen.

Micky Maus ist nach wie vor auf freiem Fuß

Von Beginn an ermittelte die Staatsanwaltschaft auch in diesem Verfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche – angeklagt wurden dann aber lediglich der Steuerbetrug und der Enthalt von Arbeitsentgelt und Sozialabgaben. Von den fünf dort Angeklagten sind mittlerweile alle aus der U-Haft entlassen worden – bis auf Sawas V.

Der in Frankfurt geborene Grieche ist ein Jugendfreund von Said M. Beide hatte gemeinsam mit dem Betrieb von Wettbüros ein Vermögen gemacht, bevor es sie auf den Immobilienmarkt drängte. Aber Sawas V. hatte noch andere gute Freunde – etwa den Kokainhändler L., der 2014 mit gebrochenem Hals am Fuß einer Treppe im spanischen Marbella gefunden wurde und der einer der Chefs des Kokainkartells gewesen sein soll, dem V. laut aktueller Anklage geholfen haben soll. Der eigentliche Chef dieses Kartells ist den Fahndern nach wie vor unbekannt, sie kennen ihn nur unter seinem Tarnnamen „Micky Maus“.

Micky Maus ist nach wie vor auf freiem Fuß, L. tot, andere Mitglieder des Kartells sind vom Hamburger Landgericht zu teils zweistelligen Haftstrafen verurteilt worden, die sie – aus welchen Gründen auch immer – im offenen Vollzug abfeiern. Sawas V. sitzt seit Oktober 2016 in U-Haft – erst wegen des Steuerbetrugs-, jetzt wegen des Drogenprozesses.

Sawas V. schweigt zu den Vorwürfen, die er allerdings grundsätzlich leugnet. Es wird ein langer, schwieriger Indizienprozess, der sich unter anderem auf Abhörprotokolle stützt, die Treffen von Sawas V., dem damals noch quicklebendigen L. und der Micky Maus dokumentieren. Mal sollen sie sich in einem noblen Frankfurter Hotel, mal bei einem weniger noblen Hähnchenfrittierer getroffen haben.

Stets sollen dabei Taschen mit mindestens sechsstelligen Eurobeträgen den Besitzer gewechselt haben. Bislang hat das Landgericht 27 Verhandlungstage bis zum Januar kommenden Jahres angesetzt.

Anfang der Woche war V. etwas gesprächiger. Vom Amtsgericht war er am Montag in einem kurzen Prozess wegen des Besitzes von mehr als 20 Gramm Kokain zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Polizisten hatten das Rauschgift gefunden, als sie bei der Razzia wegen der Steuerhinterziehung auch V.s Privatwohnung durchsucht hatten. Angeklagt war am Montag ursprünglich der Handel mit Kokain, aber das hatte sich rasch erledigt, denn für einen Hartgelddealer hält Sawas V. nun wirklich niemand.

Vor dem Amtsgericht sagte V., er habe das Kokain erworben, weil er ein wenig „in die Frankfurter Technoszene“ abgetaucht sei, in der Koks zum guten Ton gehöre.

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