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Cargo-City-Prozess "Jeder wusste vom Schmiergeld"

Auch der Investor Jürgen Harder und der Geschäftsmann Kai B. legen im Korruptionsprozess um die Cargo-City Süd Geständnisse ab. Kai B. will gewusst haben, dass Fraport-Manager Volker A. und Makler Uwe S. gemeinsame Sache gemacht hätten: "Jeder wusste das.“

In der Cargo-City Süd am Frankfurter Flughafen haben sich vor allem Speditionen angesiedelt. Bei der Grundstücksvergabe soll heftig geschmiert worden sein. Foto: dpa

Der Prozess um Korruption beim Bau des Luftfrachtstandorts Cargo-City Süd ist seit Freitag um zwei Geständnisse reicher. Der Immobilien-Investor Jürgen Harder räumt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein: „Ich bedaure mein Verhalten und übernehme die volle Verantwortung.“ Auch der Geschäftsmann Kai B. gab zu, von Anfang an gewusst zu haben, dass der Fraport-Manager Volker A. und der Frankfurter Makler Uwe S. bei der Vergabe von Erbbaupachtgrundstücken gegen Schmiergeld gemeinsame Sache gemacht hätten. „Ich wusste das von Anfang an. Und ich wusste, dass Ardi Goldman es wusste. Jeder wusste das.“

Goldman und S.

Es war denn auch der mitangeklagte Frankfurter Immobilien-Paradiesvogel Ardi Goldman, der für den ersten Paukenschlag des zweiten Verhandlungstages sorgte. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Der Makler Uwe S., der sich bereits am ersten Verhandlungstag in einer mehr als 40 Seiten dicken Einlassung voll geständig gezeigt hatte, gab eine ergänzende Erklärung ab. Demnach habe Goldman, nachdem er diesen bei den Ermittlern belastet habe, den Kontakt zu ihm gesucht und ihm mehr oder weniger durch die Blume zu verstehen gegeben, dass er „immer für mich da sein werde, auch wenn ich Geld brauche“ – vorausgesetzt, er ziehe seine Aussagen zurück.

Vorstand nicht interessiert

In seiner Zeugenaussage zeichnete Harder zudem ein wenig schmeichelhaftes Bild des internen Controllings bei Fraport. Jeder habe gewusst, dass Manager A. und Makler S. sich dessen Provisionen geteilt hätten. Es sei unmöglich gewesen, ohne Volker A.s Fürsprache an Cargo-City-Süd-Grundstücke zu kommen. Dabei seien A. und S. ganz offen stets „als Pärchen aufgetreten“ - wenn auch nur im geschäftlichen Sinn. Schon im Jahr 2010 habe Harder nach eigenen Angaben den Fraport-Vorstand darüber informiert, dass bei der Grundstücksvergabe wenig verdeckt geschmiert werde. „Die Herren waren nicht überrascht. Ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dass sie mir nicht glaubten.“ Interessiert habe es letztlich niemanden.

Über die Feinheiten der Schmiererei und den verschleiernden Umweg über Finanztransaktionen in Liechtenstein sei er im Detail nicht informiert gewesen und habe er auch gar nichts wissen wollen. Dieses Geschäftsmodell, sagte Jürgen Harder vor Gericht, sei von Makler S. stets das „System Goldman“ genannt worden.

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