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Auslieferung nach Frankfurt Lasermann kommt vor Gericht

1. UpdateIn einem 25 Jahre zurückliegenden Mordfall hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun Anklage gegen einen schwedischen Rechtsextremisten erhoben. Er soll 1992 eine Frankfurter Jüdin mit einem Kopfschuss getötet haben, die er eines Diebstahls verdächtigte.

John Ausonius
Der in Schweden als "Lasermann" bekannte Mörder sitzt seit 1992 in Haft. Nun ist er des Mordes an einer Frankfurter Jüdin angeklagt. Das Archivbild stammt aus dem Jahr 1995. Foto: dpa/Tobias Rostlund (TT NEWS AGENCY FILE)

25 Jahre nach einem heimtückischen Mord im Westend hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Der später als Lasermann bekanntgewordene John Ausonius soll im Februar 1992 im Kettenhofweg die 68 Jahre alte Blanka Zmigrod mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe von hinten erschossen und ihr die Handtasche geraubt haben. Ausonius sitzt seit vergangenem Dezember in Deutschland im Gefängnis. Der heute 63-Jährige hat die Tat stets bestritten.

Der Fall hatte 1992 bei den Ermittlern für Rätselraten gesorgt. Die Polizei ermittelte in zwei verschiedene Richtungen. Zum einen galt ein Handtaschenräuber, der zwei Jahre zuvor am Opernplatz sein Unwesen getrieben hatte, als tatverdächtig, zum anderen ein Mann, der mit der Garderobenfrau Zmigrod am Tag vor der Tat einen Streit wegen seines fehlenden Taschencomputers gehabt hatte. In beiden Fällen waren die Ermittler nicht überzeugt. Der Handtaschenräuber hatte nie eine Schusswaffe eingesetzt, der damals umgerechnet 100 Euro teure Taschencomputer hingegen schien den Ermittlern keinen heimtückischen Mord wert.
Ausonius hatte zwischen August 1991 und Januar 1992 in Stockholm und Uppsala aus Fremdenhass einen Migranten erschossen und zehn weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Weil er für seine Taten ein Gewehr mit Laser-Zieleinrichtung verwendete, tauften die schwedischen Medien den bis dahin Unbekannten auf den Namen Lasermann. Auf seiner Flucht vor den schwedischen Ermittlern gelangt der damals 38-Jährige im Februar 1992 nach Frankfurt. Am 8. Februar kommt es im Mövenpick am Opernplatz zu der folgenschweren Begegnung. Nach dem Restaurantbesuch vermisst Ausonius seinen Taschencomputer, auf dem der Flüchtige unter anderem die Daten für seine Auslandskonten gespeichert hat. Zmigrod hilft ihm bei der Suche in der Garderobe, der Taschencomputer bleibt verschwunden. Zehn Tage später ruft Ausonius im Mövenpick an und verspricht Zmigorods Chefin 200 Mark Belohnung, wenn das Gerät wieder auftauche.

Am 21. Februar schließlich erscheint Ausonius wieder persönlich am Opernplatz und bricht wegen des immer noch verschwundenen Datenträgers einen Streit vom Zaun, in dem er das spätere Opfer indirekt bedroht. Am nächsten Abend, so vermutet es die Staatsanwaltschaft, lauert der Schwede Zmigrod nach der Arbeit auf und verfolgt sie auf einem Fahrrad. Gegen 0.15 Uhr fällt der tödliche Schuss im Kettenhofweg, Ecke Niedenau. Ein Passant hört den Schuss und sieht den Radfahrer mit jener Handtasche flüchten, in der Ausonius seinen Taschencomputer vermutet.

Ausonius Vorbild für NSU?

Am Tatort zurück bleibt auch eine seltene Patronenhülse, ein verkupfertes Hohlgeschoss, das in Deutschland verboten ist. Die gleichen Geschosse waren bei den Attentaten in Schweden verwendet worden. Als die Ermittler Ausonius 1993 fassen, wird er auch mit dem Mord im Westend in Verbindung gebracht. In Verhören in Schweden räumt er den Streit mit der Garderobenfrau ein, bestreitet den Mord aber vehement. Da ein Auslieferungsgesuch abgelehnt wird, muss die Staatsanwaltschaft Frankfurt das Verfahren einstellen.

Erst 20 Jahre später kommt wieder Bewegung in den Fall. Bei den Ermittlungen zu den Morden des NSU entdeckt das Bundeskriminalamt (BKA) eine Parallele zu den Schüssen von Ausonius. Auch der Schwede hatte sich wahllos Ausländer herausgesucht und auf diese aus dem Hinterhalt geschossen. Der Lasermann könnte eine Vorlage für das Handeln des NSU geliefert haben, mutmaßt das BKA. Auch bei einer erneuten Vernehmung im August 2016 leugnet der immer noch inhaftierte Ausonius den Mord an Zmigrod, stimmt aber überraschend einer Auslieferung nach Deutschland zu, falls er eine mögliche Haftstrafe in Schweden verbüßen dürfe.

Die Anklage lautet auf Mord aus Habgier, ein Termin für die Verhandlung vor der 22. Strafkammer des Landgerichts steht noch nicht fest.

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