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Amtsgericht Frankfurt Staatsanwalt schlägt zu

Ein inzwischen vom Dienst suspendierter Staatsabwalt steht in Frankfurt wegen Körperverletzung, Beleidigung und Amtsmissbrauch vor Gericht. Heute soll das Urteil fallen.

Amtsmissbrauch, Nötigung, Körperverletzung: Die Liste der Vorwürfe gegen den Staatsanwalt ist lang. Foto: Andreas Arnold

Am Ende des Verhandlungstags hat Staatsanwalt Christian M. dann doch noch einen überraschenden Moment der Selbstreflexion. „Ich kann verstehen, dass ich als Person bei vielen nicht gut gelitten bin.“ Dies liege möglicherweise an der „belehrenden Wirkung“, die er auf andere habe. Und so mancher Prozessbeobachter wünscht sich, irgendwer würde M. darüber belehren, dass er nicht mehr auf seinem angestammten Platz bei der Gießener Staatsanwaltschaft sitzt, sondern auf der Anklagebank des Frankfurter Amtsgerichts. Und dass die quälend lange Rede, die er gerade hält, auch kein Plädoyer ist, sondern das letzte Wort des Angeklagten.

M. muss sich wegen Amtsmissbrauch, Beleidigung, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Missbrauch des Notrufs verantworteten. Laut Anklage soll er seine Stellung als Staatsanwalt missbraucht haben, um der Ehefrau eines Freundes, mit der dieser sich gerade im Rosenkrieg befindet, per offiziellem Schreiben mit juristischen Konsequenzen zu drohen, falls diese nicht die gebunkerte Skiausrüstung ihres Göttergatten herausrücke. Er soll zudem, nachdem ihm Türsteher im Frankfurter Club Gibson wegen schrappiger Hosen den Eintritt verwehrt hatten, per Notruf die Polizei herbei zitiert haben.

Beamtenstatus gefährdet

Er habe zudem die Türsteher selbst der Beleidigung und Körperverletzung geziehen – offensichtlich frei erfunden. Und er habe die ganze Zeit mit seinem Beruf als Staatsanwalt und als Fachhochschuldozent geprahlt und sich dicke gemacht, dass sämtliche Beteiligten, selbst die Polizisten, mehr als peinlich berührt waren. Zu schlechter letzt soll er in Gießen randaliert haben, nachdem er als stockbesoffener Beifahrer bei einer Verkehrskontrolle mit der Polizei aneinandergeraten war.

Es ist der zweite Verhandlungstag. Die meisten Sachverhalte hat der 38-Jährige eingeräumt, nennt aber für alle Gründe, die zumindest er gut findet. Mit dem Schreiben an die Frau des Freundes habe er diese ja nur schützen wollen. Die Türsteher hätten ihn aufs Übelste beleidigt.

Und die Polizei in Gießen habe eigentlich gar kein Recht gehabt, sich so massiv gegen seine Angriffe zur Wehr zu setzen, schließlich sei er sternhagelvoll gewesen. Nach M.s Suada sind sämtliche Prozessbeteiligten dermaßen sediert, dass die Richterin zu erschöpft ist für ein Urteil und es auf den kommenden Montag verschiebt. Dann geht es für Christian M. ums Ganze, denn bei einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, wie der Frankfurter Staatsanwalt sie fordert, wäre sein Beamtenstatus perdu. M. ist ohnehin seit einem Jahr vom Dienst suspendiert.

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