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Kriminalität in Wiesbaden Ärztekammer prüft Vorwürfe gegen Arzt

Ein Wiesbadener Mediziner ruft in sozialen Netzwerken zur Gründung eines Wehrsportclubs auf. Jetzt untersucht nicht nur die Staatsanwaltschaft den Fall.

MOBI Notarzt
Ärzte sollen eigentlich helfen statt hetzen. Foto: dpa

Der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, zeigt sich „erschüttert“ ob der Vorwürfe, die gegen einen Wiesbadener Arzt erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittelt derzeit gegen den 54-jährigen Mediziner wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der aus Russland stammende Mann über das soziale Netzwerk Facebook einen Aufruf zur Gründung einer Wehrsportgruppe gestartet hatte. Aktive und ehemalige Militärs sollten sich daran beteiligen, Leute an den Waffen ausbilden und dann die Bundeswehr unterstützen, wenn es zum Bürgerkrieg komme. Dieser soll nach Ansicht des Arztes, der auch zahlreiche Fake News über seinen Account verbreitete, kurz bevor stehen.

Seit Samstag ist das Facebook-Profil des Mannes nicht mehr auffindbar. Ihm sollen zuletzt laut einer Pressemitteilung der Fraktion der Linken im Landtag etwa 2800 Kontakte, bestehend aus „radikalen Neonazis, Reichsbürgern, NPD-Mitgliedern und zahlreichen AfD-Funktionären“, angehört haben. Stattdessen verbreitet der Wiesbadener seine Hetze über das osteuropäische Netzwerk „vk.com“.

Linke kritisiert AfD

Auf Anfrage teilt Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach mit, dass noch die Unschuldsvermutung gelte. Die angeblichen Äußerungen des Betroffenen könnten theoretisch auch ohne seine Zustimmung ins Netz gelangt sein. Sollten sich die Vorwürfe allerdings als zutreffend erweisen, werde die Ärztekammer im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv, heißt es in einer Mitteilung.

„Die Ansichten, die der als Mitglied der Ärztekammer gemeldete Arzt geäußert haben soll, sind mit dem ärztlichen Ethos und dem Selbstverständnis der hessischen Ärzteschaft nicht vereinbar“, schreibt von Knoblauch zu Hatzbach. Sobald belastbare Fakten vorliegen, würden diese geprüft. Gegebenenfalls werde man berufsrechtlich gegen den Betroffenen vorgehen. Darüber, ob er seine Approbation verliere, könne allerdings nur das hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen entscheiden.

Die AfD Wiesbaden, der der Arzt seit Kurzem angehörte, hat sich von dem Arzt distanziert und mittlerweile ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Der Sprecher der AfD Wiesbaden, Robert Lambrou, hatte gegenüber der FR erklärt, getäuscht worden zu sein. Von den Vorwürfen habe er erst am Freitag erfahren.

Sowohl die Fraktion der Linken im Rathaus als auch der Landtagsfraktion bewerten die Aussagen des AfD-Sprechers als unglaubwürdig, da der Betreiber der Facebook-Seite offiziell die Seite der AfD-Russlanddeutschen administrierte und dort ebenfalls zur Bildung von „Wehrsportgruppen“ aufgerufen habe. „Wer mit zahlreichen AfD-Funktionären vernetzt ist, die offiziellen Parteilogos auf mehreren Seiten verwendet, AfD-Veranstaltungen besucht und als Mitglied bekannt ist, dessen Internetaktionen können der Wiesbadener Parteiführung kaum unbekannt geblieben sein“, schreiben die Fraktionen in Pressemitteilungen.

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