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Kriminalität in Mörfelden-Walldorf Angriff auf KZ-Außenstelle

Es herrscht Erschütterung aber auch Gesprächsbereitschaft nach dem Vandalismus an der KZ-Außenstelle in Mörfelden-Walldorf. Der Staatsschutz ermittelt.

Hovart-Zentrum
Die Überreste der Küche und Kochutensilien sind noch zu sehen, wie Cornelia Rühlig (rechts) zeigt. Foto: Rolf Oeser

„Wer wirft mit Steinen gegen Fotos von Frauen, die in der Nazi-Zeit von der SS geprügelt wurden? Wir möchten gerne mit Ihnen sprechen.“ Es folgt eine Telefonnummer. Der Text steht auf einem Schild, das kürzlich vor der Gedenkstätte der KZ-Außenstelle Walldorf angebracht wurde. Unbekannte hatten Anfang Februar eine Scheibe des Horváth-Zentrums zertrümmert. Große Schwarz-Weiß-Fotos der Zwangsarbeiterinnen aus Auschwitz-Birkenau, die hier interniert waren, um beim Ausbau des Frankfurter Flughafens zu helfen, schauen einem von den Glasfronten des Gebäudes an.

„Es zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist“, sagt die Vorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung, Cornelia Rühlig. Die Stadthistorikerin von Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) ordnet die Tat eindeutig einer rechten Ideologie zu: Wer auf dieses Gebäude Steine werfe. wisse, dass es nicht irgendein Museum sei. Dass man mit dem Schild die Täter zum Gespräch einlade, zeige die Haltung der Stiftung. „Wir arbeiten auch mit Aussteigern aus der rechten Szene.“

Auch für Religionslehrerin Petra Sorg von der Frankfurter Julius-Leber-Schule, die am Montag mit ihrer Klasse vor Ort war, ist die Zerstörung „menschlich bitter“. Sie hatte vor drei Jahren mit ihren Schülern bei den dreiwöchigen Ausgrabungen im Wald bei Mörfelden-Walldorf teilgenommen. Damals hatte Rühlig mit einem von der Stiftung initiierten internationalen „Work-and-study Camp“ von Schülern, zum Teil Enkel der Opfer, die Grundmauern des ehemaligen Versorgungsgebäudes ausgegraben. Über dem Fundament wurde die Gedenkstätte errichtet und im September 2016 eröffnet. Bereits seit 2000 informieren Tafeln des historischen Lehrpfads rund um das ehemalige Lagergelände über die Schicksale der inhaftierten Frauen. Bislang sei niemals etwas beschädigt worden, sagt Rühlig.

Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verurteilt die Tat und versprach Unterstützung bei der Instandsetzung: „Für Rassismus und braunes Gedankengut ist in Frankfurt und im gesamten Rhein-Main-Gebiet kein Platz.“

Die Polizei fand indes bislang keine konkreten Hinweise auf eine rechtsradikale Motivation, wie Polizeisprecher Bernd Hochstädter sagt. Aufgrund des Objekts ermittle aber die Staatsschutzabteilung. Regelmäßige Kontrollen des Gebäudes hätten bereits zuvor stattgefunden und würden jetzt nicht erhöht werden.

Drinnen im Zentrum führt Rühlig die Schüler in die Überreste des ehemaligen Küchenkellers und zeigt, wo die Frauen vom cholerischen und alkoholkranken Lagerleiter und seinen Helfern geprügelt und gequält worden waren. Nur 330 der 1700 Insassinnen überlebten die Nazizeit. Überall liegen rote Backsteinbruchstücke – Reste der Mauern –, auf denen Namen und Geburtsdaten der Ofer geschrieben sind. „Viele Gruppen möchten etwas tun, das über ihre Betroffenheit hinausgeht“, sagt Rühlig. Wer möchte, kann sich eines der Opfer aussuchen, dessen Geburtstag mit dem eigenen übereinstimmt und für diese Frau einen Stein beschreiben und niederlegen.

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