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Kreis Groß-Gerau „Ich habe nur die Zeit dokumentiert“

Rosemarie Ebbmeyer erzählt in ihrem Buch „Später wird’s schöner“ von der Kindheit im hessischen Ried

Rosemarie Ebbmeyer. Foto: Privat

„Weil sich so vieles ändert“, hat Rosemarie Ebbmeyer die Geschichte ihrer Kindheit und frühen Jugend aufgeschrieben. In ihrem Buch „Später wird’s schöner“ lässt sie die Jahre 1953 bis 1968, die sie mit ihren Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln im hessischen Ried verbrachte, lebendig werden.

Doch die kleinen abgeschlossenen Episoden aus dem Dorf Leeheim rühren nicht nur Ortsansässige. Sie rufen Erinnerungen bei allen wach, die damals in ländlichen Gegenden lebten, im Ried oder andernorts. Wie Rosemarie Ebbmeyer den Alltag aus Sicht eines Mädchens schildert, so war er für viele dieser Generation.

Es ist von Bonanza und Alfred Hitchcock die Rede, von der Strickliesel und dem Mauerbau und davon, dass einfach nichts los war im Ried. Wo zweimal am Tag der Opelbus fuhr, das Leben durch die Arbeit auf dem Feld geprägt war, Dorfbräuche lebendig waren und es ein Riesenereignis war, wenn man einmal nach Darmstadt zum Einkaufen fuhr.

Entstanden ist das 192 Seiten starke Werk mit zahlreichen historischen Abbildungen innerhalb von sieben Jahren in einer Schreibwerkstatt, „Ich habe das alles eigentlich für meine Enkel aufgeschrieben“, sagt die Autorin, die inzwischen in Freiburg (Breisgau) lebt. An Veröffentlichung hatte sie dabei nicht gedacht. Doch aufgrund des großen Zuspruchs hat sie es jetzt als Book-on-demand herausgebracht.

Viele der Szenen, etwa die ihrer eigenen Geburt – natürlich als Hausgeburt im elterlichen Ehebett – hat sie nach Erzählungen ihrer Mutter verfasst. Die heute 87-Jährige lebt immer noch im Familienanwesen in Leeheim. Haus, Garten und „Scheier“ – Scheune – alles steht noch.

Rosemarie Ebbmeyer berichtet von ihrer Zeit im Kindergarten und wie sie dort mit Kleister anstatt nur mit Mehlbapp wie zu Hause Sterne aufkleben durfte. Es ist von der Duppeskasse die Rede, in der Frauen einen abgezwackten Groschen sparten, den sie etwa beim Verkauf eines Schoppens Milch an Nachbarn erzielt hatten, als auch vom wöchentlichen Badetag: „Der Samstag schmeckt nach Linsensuppe mit Wiener Würstchen (...), im Spätsommer nach warmem Pflaumenkuchen (...). Samstag riecht nach Dor und Kernseife, wenn Küche, Hausgang und Treppe feucht gewischt werden.“ Regionale Persönlichkeiten wie Bürgermeister Schwäch und Landrat Schmitt tauchen genauso auf wie lokale Geschäfte, die es längst nicht mehr gibt, und historische Ereignisse: Etwa das „große Fest“, als Leeheim sein 1200-jähriges Bestehen feierte. Und sie sich in ein rosa Kleid gehüllt auf die Bühne zum Walzertanzen wagt – was ihre Mutter gar nicht gerne sieht. Es entbrennt ein heftiger Streit, in dem die flügge werdende Tochter gegen die Sprüche und Regeln der Erwachsenen rebelliert.

„Ich habe einfach nur die Zeit dokumentiert“, sagt Rosemarie Ebbmeyer, „nichts hinzugedichtet und nichts psychologisiert“.

„Später wird‘s schöner“, Rosemarie Ebbmeyer, erschienen 2015 bei Books on Demand, 16,90 Euro.

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