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Kreis Groß-Gerau Angeklagter gesteht tödliche Schüsse

Völlig unvermittelt wird in Bischofsheim ein Polizist erschossen. Eine gezielte Tat? Nein, meint die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn in Darmstadt. Der Angeklagte leide an Schizophrenie.

07.04.2015 10:45
Juli 2014: Polizisten suchen am Morgen nach der Tat am Tatort und in unmittelbarer Nähe dazu nach Spuren des Täters und nach der Tatwaffe. Foto: dpa

Im Prozess um den Mord an einem Polizisten in Zivil hat der Angeklagte vor dem Landgericht Darmstadt die tödlichen Schüsse eingeräumt. Der 58-Jährige berief sich am Dienstag aber auf Notwehr. «Ich habe geschossen, weil der Mann mich überwältigt und zusammengeschlagen hätte», gab der Angeklagte in einer schriftlichen Erklärung zu, die er dem Vorsitzenden Richter zum Verlesen überreichte. «Er ist auf mich los», ergänzte der Frührentner mündlich.

Dem 58-Jährigen wird Mord im Zustand verminderter Schuldfähigkeit vorgeworfen. Er soll an Schizophrenie leiden, seine Steuerungsfähigkeit sei «erheblich vermindert» gewesen. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Zuerst war vermutet worden, der Polizist sei wegen seines Berufes gezielt getötet worden.

Der Angeklagte soll im Juli 2014 in Bischofsheim (Kreis Groß-Gerau) völlig unvermittelt zweimal auf den 50 Jahre alten Polizeibeamten geschossen haben, der mit seiner Frau, einer Begleiterin und vier Hunden einen Spaziergang machte. Nach der Festnahme gaben die Ermittler an, Auslöser der Tat sei eine große Angst des Angeklagten vor den Hunden gewesen. Dies ließ der 58-Jährige vor Gericht nicht stehen: «Die Hunde waren absolut friedlich.» Er widersprach auch der Einschätzung, an Schizophrenie zu leiden: «Ich bin ein geistig und seelisch gesunder Mensch.»

Unterschieldiche Schilderungen

Der Angeklagte sagte zudem, er habe nicht feststellen können, dass der Polizist gefährlich verletzt worden sei. Nach dem ersten Schuss habe der 50-Jährige keine Reaktion gezeigt. «Da war kein Schmerzensschrei. Er stand da, als wäre nichts gewesen. Da habe ich nochmal geschossen.» Es sei auch kein Blut zu gesehen gewesen. Der Polizist sei davongerannt, dann zu Boden gegangen.

Die Ehefrau des Opfers schilderte das Ereignis anders. Der Angeklagte habe ihre Gruppe verfolgt, hätte aber auch problemlos einen anderen Spazierweg einschlagen können. Ihr Mann habe sie, die Begleiterin und die Hunde verlassen, sei auf den Angeklagten zugegangen und habe ihn zur Rede stellen wollen. Nach dem ersten Schuss aus nächster Nähe habe ihr Mann gerufen: «Rennt weg, er hat eine Knarre.»

Nach dem zweiten Schuss sei ihr Mann auf dem Rückweg zusammengebrochen, habe in einer riesigen Blutlache gelegen. «Der Angeklagte hat mich angegrinst und ist in Seelenruhe an mir und meinem sterbenden Mann vorbeigelaufen.» Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie der 58-Jährige auf sie gewirkt habe, meinte die Frau: «Er war extrem ruhig. Er wirkte auf mich befriedigt.» Für den Prozess sind zunächst sechs Termine vorgesehen. (dpa)

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